Lavo-Ehrenamt in der Grünen Jugend NRW

Jugendliche und junge Erwachsene verbringen ihre Freizeit mit Killerspielen oder bei Flatratepartys und sind von Haus aus unpolitisch – da sind sich viele Leute sicher und werden durch manch unausgewogene Berichterstattung zusätzlich darin bestätigt. „Diese ewige Behauptung von der Politikverdrossenheit junger Menschen stimmt einfach nicht. Es gibt viele, die sich einmischen, z.B. in Umweltverbänden, Sportvereinen, kirchlichen Organisationen, oder eben in der Grünen Jugend.“ Verena Schäffer gehört mit ihren 22 Jahren zu der offenbar verkannten Gruppe der jungen Erwachsenen. Sie ist seit vier Jahren unter anderem bei der Grünen Jugend politisch aktiv.

Im November 2005 wurde sie von der Landesmitgliederversammlung in den achtköpfigen Landesvorstand (Lavo) der Grünen Jugend NRW gewählt, war dort Beisitzerin und ist mittlerweile dessen Sprecherin. „Die Grüne Jugend steht dafür, dass sich junge Menschen – egal welcher Herkunft oder Bildung – möglichst früh in gesellschaftliche und damit politischen Themen einbringen können.“ Da ist es nur konsequent, wenn die Wahl in den Landesvorstand für jedes Mitglied der GJ NRW möglich ist – und zwar ab 14 Jahren.

„Jedes Vorstandsmitglied hat zwar inhaltlich sein Steckenpferd, aber wir entscheiden schließlich gemeinsam – deshalb müssen wir uns auch in viele Themen reinarbeiten“, berichtet Max Löffler, ehemaliger Sprecher der Grünen Jugend NRW. Die Aufgaben des Lavos sind tatsächlich vielfältig. Hauptfeld ist die Regelung der laufenden Geschäfte des Landesverbands, also alles vom Besuch der Mitglieder vor Ort über die Planung von Veranstaltungen bis hin zu Auswahl und Einstellung von MitarbeiterInnen der Landesgeschäftsstelle. Und dabei dreht es sich natürlich immer um Politik.

„Das hört sich nach einer Menge Arbeit an und das ist es auch. Allerdings lernt man ziemlich schnell, wie man sich und seine Zeit gut organisieren kann“, erklärt Sophia Reintke, Politische Geschäftsführerin (PGF). In ihren Aufgabenbereich fällt so ziemlich alles, was mit den formalen Vorschriften des Verbands zu tun hat. Sie ist 2006 als PGF in den Landesvorstand gewählt worden und gehört seit Kurzem dem Bundesvorstand der Grünen Jugend als Beisitzerin an. „Natürlich gibt es gewisse Anlaufschwierigkeiten, wenn man ganz neu in den Landesvorstand gewählt wird, aber durch das gut funktionierende Team und die Unterstützung der MitarbeiterInnen der Landesgeschäftsstelle ist man rasend schnell mit der Arbeit vertraut.“

Den ersten Pflichttermin, den ein neu gewählter Vorstand zu absolvieren hat, ist die Klausurtagung. Hier steht neben der politischen und organisatorischen Jahresplanung vor allem eins auf dem Programm: Kennen lernen. Darunter fällt das Kennen lernen der Verbandsstrukturen, kennen lernen der Aufgabenbereiche, der Arbeitsweise, der MitarbeiterInnen und nicht zuletzt das Warmwerden der Vorstandsmitglieder untereinander. „Durch die enge Zusammenarbeit entstehen oft auch private Freundschaften, “ berichtet Beisitzer Raoul. Und Linda (26 Jahre) ergänzt: „Das Schöne an der Lavo-Arbeit in der Grünen Jugend ist auch, dass das Alter im Umgang miteinander keine Rolle spielt.“

Im Vorstand ist Gleichberechtigung Programm – der Landesvorstand besteht mindestens zur Hälfte aus Frauen und quotierte Redelisten sind eine Selbstverständlichkeit. Leider finden sich oft keine Frauen, die kandidieren möchten, weshalb Beisitzerin Christina Schmidt ergänzt: „Gerade junge Frauen sollten diese Chance nutzen, sich in einem gut funktionierendem Team wie dem Lavo auszuprobieren.“
„Wie weit man sich einbringt, hängt natürlich von jeder und jedem selbst ab, aber die Chance inhaltlich prägend zu wirken haben hier alle“, versichert Beisitzer Eike Block.
„Klar sind wir auch oft unterschiedlicher Meinung. Diese Reibung aneinander ist aber nur nützlich – oft tauchen nicht bedachte Aspekte auf – und letztendlich finden wir immer eine Position. Dafür machen wir doch Politik.“

Gute Politik kostet natürlich Geld. Und deshalb ist der Schatzmeister darauf bedacht, die Großzügigkeit seiner KollegInnen zu zähmen. „Oft gibt es natürlich unterschiedliche Meinungen darüber, wie unser Geld am besten angelegt ist. Aber eigentlich verfolgen wir alle das Ziel, nachhaltig und verantwortungsbewusst zu wirtschaften.“ erzählt Pascal Krüger, Schatzmeister der Grünen Jugend NRW. „Gerade in Zeiten der internationalen Finanzkrise kann man als politischer Verband nur dann glaubwürdige Finanzpolitik machen, wenn es auch in der eigenen Kasse mit rechten Dingen zugeht.“

Ehrenamt lohnt sich nicht? Für die Arbeit im Lavo gibt es zwar keine Aufwandsentschädigung, Kosten, die im Zusammenhang mit der Arbeit entstehen, werden allerdings erstattet. „Ich habe den Schritt vom ‚Sich-ständig-ärgern’ zur zeitintensiven aktiven politischen Arbeit nicht bereut. In den letzten Jahren habe ich viel gelernt über politische Abläufe, Organisation und auch meinen Standpunkt selbstbewusst und reflektiert zu vertreten“, ergänzt Schatzmeister Pascal.