2009 beteiligten sich Hunderttausende an den Bildungsstreiks – auch in diesem Jahr gehen SchülerInnen und StudentInnen wieder für Ihre Rechte auf die Straße.

Gut ein Jahr nach Beginn des Bildungsstreiks sind StudentInnen, SchülerInnen und Auszubildende am 22. April wieder auf die Straße gegangen. Über 50 Organisationen aus ganz NRW unterstützen den Aufruf zum erneuten Protest für ein besseres Bildungssystem. Mit dabei war auch die Grüne Jugend NRW. Besonders vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen will das Bildungsstreik-Bündnis seine Forderungen noch einmal deutlich machen.

Im vergangenen Jahr beteiligten sich bundesweit über 250 000 Menschen, darunter vor allem SchülerInnen, StudentInnen, aber auch GewerschafterInnen und Erwerbslose, am Bildungsstreik. In zwei Aktionswochen und mehreren bundesweiten Demonstrationen kämpften sie für ihre Ziele. Allein im Herbst 2009 protestierten über 125 000 SchülerInnen und StudentInnen in ganz Deutschland, um den dramatischen Verhältnissen im deutschen Bildungssystem den Kampf anzusagen. Auch die Grüne Jugend NRW war in vielen lokalen

Bildungsstreikbündnissen aktiv. Die Medien begleiteten die Streiks intensiv. Trotz der großen Aufmerksamkeit: Viel hat sich seither im Bildungssystem nicht geändert – auch nicht in NRW, Doch die Streikenden geben nicht auf. Selten haben sich junge Menschen über einen so langen Zeitraum für eine politische Sache engagiert. Für die erste Hälfte dieses Jahres organisieren mehrere dezentrale Aktionstage und eine große Streikwoche.

Über 6000 SchülerInnen, StudentInnen und Auszubildende sind zum Auftakt am 22. April in einem große Protestmarsch durch die Kölner Innenstadt gezogen. Das sind zwar weniger DemonstrantInnen als noch 2009, doch die fordern ihre Rechte mit der gleichen Härte wie im vergangenen Jahr.

Das fordern die Bildungsstreikenden

Schülerinnen und Schüler setzen sich für die Ganztagsschule und die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems ein. StudentInnen fordern einen freien Zugang zu Bildung für alle Menschen: Dazu gehört die Lehrmittelfreiheit, die Abschaffung sämtlicher Gebühren, wie zum Beispiel Studien-, Ausbildungs, aber auch Kita-Gebühren.

Außerdem soll Lernen für SchülerInnen und StudentInnen selbstbestimmer werden. Leistungs- und Konkurrenzdruck haben in der Schule nichts zu suchen! Dewegen müssen Kopfnoten, die derzeit für Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Sozialverhalten vergeben werden, wieder abgeschafft werden. Die Rücknahme des „Turboabiturs“ (G8) und die Abschaffung des Master und Bachelor Systems in seiner jetzigen Form würden SchülerInnen und StudentInnen endlich wieder die Zeit zum Lernen geben, die sie brauchen.

In diesem Jahr waren zum ersten Mal viele Auszubildende gemeinsam mit den SchülerInnen und StudentInnen auf der Straße. Die Azubis fordern unter anderem ein Grundrecht auf Ausbildung für alle und die betriebliche Übernahme aller Auszubildenden.

Eine weitere wichtige Forderung der DemonstrantInnen ist die radikale Demokratisierung der Bildungseinrichtungen: Hochschulräte müssen abgeschafft werden! SchülerInnen und die StudentInnen haben Recht, auf viel größeren Einfluss auf das Schul- und Unileben Momentan kann stattdessen die Wirtschaft immer mehr mitbestimmen, wenn es um Lehrinhalte, Studienstrukturen und Stellenvergaben geht. Damit muss Schluss sein! Die öffentliche Hand muss das Bildungssystem finanzieren, um eine Einflussnahme und Gewinnerwartung von Unternehmen zu unterbinden.

Streik in der Schulzeit unerwünscht

SchülerInnen und StudentInnen streiken während ihrer Unterrichts- und Vorlesungszeit. Dafür haben LehrerInnen und DozentInnen nicht unbedingt Verständnis und vor allem SchülerInnen gehen ein großes Risiko ein.

Eine Demonstrantin berichtet, wie ihre Schule versucht, Schüler unter Druck zu setzen: „Viele SchülerInnen trauen sich nicht, zum Bildungsstreik zu gehen, weil unser Direktor neben unentschuldigten Fehlstunden auch Klassenkonferenzen für die Streikenden angekündigt hat. Die SchülerInnen, die heute morgen zur Schule gegangen sind, wurden während der Demonstration in der Schule eingesperrt und nicht rausgelassen. Trotzdem nehmen einige SchülerInnen am Bildungsstreik teil. Viele sagen, dass die trotz dieser Repressionen auch weiterhin am Bildungsstreik teilnehmen werden. Sie wollen sich ihre Kritik nicht verbieten lassen.“

Rechtlich gesehen haben SchülerInnen kein Streikrecht, jedoch werden die Fehlzeiten von jeder Schule anders behandelt. Doch ein Streik während der Schulzeit verleiht den Anliegen der SchülerInnen viel mehr Nachdruck, als eine Demonstration am Wochenende oder Nachmittags. Außerdem, argumentieren die Organisatoren, könnte man während der Schulzeit viel mehr SchülerInnen erreichen und mobilisieren.

Einige Schulen und Hochschulen lassen den Streikenden auch mehr Raum. So rechnete die Uni Köln etwa offiziell während der Demonstration am 22. April in Köln keine Fehlstunden an.

Bildungsstreik – so geht’s weiter

Die nächsten Aktionen des Bildungsstreiks sind die bundesweite Demonstration am 05. Mai 2010 in Düsseldorf und der dezentrale bundesweite Bildungsstreik am 09.06. in vielen Städten in NRW. Mehr Informationen zum Bildungsstreik 2010 und alle Termine gibt es unter Opens external link in new windowwww.bildungsstreik.net und Opens external link in new windowwww.bildungsstreik-fruehling.de

Die Grüne Jugend NRW hat die Bildung zum Schwerpunktthema für die Landtagswahl am 09. Mai gemacht. Wir werden den Bildungsstreik durch unsere KandidatInnen der Grünen Jugend von der Straße ins NRW-Parlament tragen!

Von Karsten Ludwig