Die GRÜNE JUGEND NRW kritisiert die gängige Praxis des Ausschlusses von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) bei der Blut- und Knochenmarkspende. Die sexuelle Identiät darf kein Kriterium sein, das über die Möglichkeit entscheidet, Lebensretter*in zu werden. Einzig das individuelle Risikoverhalten und der verantwortungsvolle Umgang jedes und jeder Einzelnen sollte ein Entscheidungskriterium pro oder contra Blut- oder Knochenmarkspenden sein. Eine pauschale Diskriminierung von MSM lehnen wir ab!

Regelmäßig mangelt es in Deutschland an Blutkonserven und so kommt es immer wieder zu groß angelegten Spendenaufrufen. Nur ein Drittel der an Leukämie erkrankten Patient*innen, die eine Knochenmarkspende benötigen, findet innerhalb der Familie eine*n geeignete*n Spender*in. Der Großteil benötigt eine*n nicht verwandte*n Spender*in. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass die Gewebemerkmale zweier fremder Menschen übereinstimmen, reicht derzeit von 1:20.000 bis zu weit über eins zu mehreren Millionen – sind also sehr gering. Die weltweite Notwendigkeit potentielle Stammzellspender*innen zu finden ist offensichtlich. Doch sowohl in der Blutspende, als auch bei der Knochenmarkspende wird ein Teil der Bevölkerung ausgeschlossen. Auf diese potentiellen Lebensretter*innen können wir nicht verzichten.
Die Frage, wer in Deutschland Blut- und Knochenmarkspenden leisten darf, ist im Transfusionsgesetz geregelt. Um das Transfusionsgesetz immer auf dem aktuellen Stand zu halten, wurden die Regelungen in die Hände der Bundesärztekammer, des Robert-Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts gelegt. Diese drei Institutionen entscheiden in regelmäßigen Sitzungen über die geltenden Bestimmungen. Sie klassifizieren homo- und bisexuelle Männer generell als “Risikogruppe”. Zur Begründung wird ein statistisch höheres Risiko sich mit HIV zu infizieren, als die der übrigen Bevölkerung, angegeben. Dieses pauschale Urteil ignoriert jedoch das individuelle Sexualverhalten. So gibt es selbstverständlich homo- und bisexuelle Männer, die Safer Sex praktizieren und/oder jahrelang in einer monogamen Beziehung leben. Von diesen Menschen geht kein höheres Risiko als von anderen Spender*innen aus. Tatsächlich handelt es sich hierbei um Gruppendiskriminierung auf Grund der sexuellen Identität – die nach einem Urteil der europäischen Kommission auch nicht mit europäischem Recht vereinbar ist.
Die GRÜNE JUGEND NRW setzt sich deswegen für eine Orientierung am individuellen Risikoverhalten und nicht an Gruppenbegriffen ein. Denn das individuelle Risikoverhalte ist ausschlaggebend, ob sich ein Mensch mit HIV infiziert und nicht seine*ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe.
Besonders unverständlich ist die aktuelle Regelung bei der Knochenmarkspende, da hier vor jeder möglichen Spende ohnehin die potentiellen Spender*innen auf Infektionserreger wie z.B. HI-Viren getestet werden, wodurch das abstrakte Risiko minimiert wird.
Der Landesvorstand der GRÜNEN JUGEND NRW wird daher beauftragt, die aktuelle Regelung und die Klassifizierung homo- und bisexuelle Männer als Risikogruppe gegenüber den Verantwortlichen der Bundesärztekammer, des Robert-Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts in Frage zu stellen und eine Neuregelung zu fordern.

Beschlussfassung der Landesmitgliederversammlung am 11.11.2012.