Text von Luisa Roehrig

Seit einigen Wochen geht nun die Sexismus-Debatte durch alle Medien und ist inzwischen bestimmt bei fast allen Menschen angekommen. Das ist nicht nur gut, sondern auch längst überfällig und in unserer Gesellschaft mehr als nötig. Deshalb war ich auch erleichtert und glücklich, als ich das erste Mal festgestellt habe, dass es sich um ein großes Thema in den Medien handelt und somit auch Potenzial für Veränderung hat.

Inzwischen ist mein Optimismus aber abgeklungen, denn ich habe das Gefühl, dass große Teile der Debatte einfach nur alle Erwartungen bestätigt haben, was Sexismus angeht. Damit meine ich, dass die Sexismus-Debatte an sich zu großen Teilen voll mit Sexismus war und so nur den derzeitigen Zustand bestätigt hat. Dabei war ich einerseits belustigt, Kommentare zu lesen, die schon tausende vorher geschrieben hatten und die in einer Aktion, wie den #Aufschrei, der sich eigentlich gegen Aussagen richtet, ziemlich lächerlich rüberkamen. Andereseits ist es natürlich traurig, dass ein so ernstes Thema so niedergemacht wird.

Jedoch möchte ich an dieser Stelle auch noch sagen, dass es auch viele tolle Inhalte in der Sexismus-Debatte gab, die sicherlich einiges zum positiven wenden werden. Auch wenn ich mich öfters geärgert habe, bin ich sehr erleichtert, dass dieses Thema angesprochen wurde und somit schonmal der Rolle einer belanglosen Nebensache, die weder politisch noch öffentlich ist, entflohen ist.

Eine andere Sachen die mit aufgefallen ist, war die Diskussion um die Rolle der Männer als negativ betroffene Personen. Oft wurde betont, dass auch Männer von Sexismus betroffen sind und diese in der Debatte nicht genug Aufmerksamkeit kriegen oder deren Sexismus-Erfahrungen kleingeredet werden. Ich habe lange darüber nachgedacht und bin zu folgendem Ergebnis gekommen:
Männer können genau die selben Erfahungen machen, die genauso schlimm sind wie die von Frauen* und auch so für das Individuum bewertet werden sollten. Jedoch sehe ich einen wichtigen Unterschied zwischen beiden „Arten“ von Sexismus. Bei dem Sexismus gegen Männer handelt es sich um „Einzeltaten“, die zwar keineswegs zu legitimieren sind, aber eine andere Art von Problem darstellen. Hierbei geht es um das Verhalten einer Person gegenüber einer anderen. Der Sexismus gegen benachteiligte Geschlechter in unserer Gesellschaft ist jedoch nicht nur eine Sache von vielen Einzelvergehen, sondern ein Mittel zur Machtausübung über ein Geschlecht. Deshalb finde ich, dass eine emzipatorische Debatte von Frauen* ihre Berechtigung hat und Männer nicht unbedingt einschließen muss. Wir leben in einer sexistischen Gesellschaft, die Frauen* strukturell benachteiligt und diese äußert sich nicht nur an der Anzahl der Frauen* in Vorständen, sondern eben auch an Alltagssexismus. Und genau das -um wieder zum Thema zurückzukommen- zeigte sich vor allem in letzter Zeit an der Sexismus-Debatte, die uns eine Vielzahl von Beispielen gegeben hat, mit welchen Mitteln Reproduktion von Machtverhältnissen funktioniert. Nämlich nicht nur durch die Legitimierung von Sexismus, sondern auch durch die Ablehnung der Beschwerden Betroffener.

Mein Fazit: Eine richtige Auseinandersetzung mit Sexismus würde uns viel weiter bringen, als viele vielleicht denken, denn allein die ernsthafte Beschäftigung mit Sexismus ist ist schon Teil des Kampfes gegen Sexismus!