Es sind Osterferien. Ich befinde mich auf dem Rückweg von Irland nach Spanien und am Gate bildet sich eine endlose Schlange. Außer mir haben sich noch ein paar andere dazu entschlossen, einfach bis zum Ende sitzen zu bleiben. Nach einer Weile holt ein junger Mann neben mir ein Notizbuch aus seiner Tasche und fängt an zu zeichnen. Beeindruckt frage ich, ob er mir etwas skizzieren würde und so kommen wir ins Gespräch.

Der junge Mann heißt Xavier und ist 26 Jahre alt. Er war in Irland bei einem Vorstellungsgespräch. Ich erfahre, dass er Animationszeichner ist und in Spanien lange Zeit nach Arbeit gesucht hat. Nun hat er einen Job in Irland gefunden.

Xaviers Schicksal teilen auch viele andere Spanier. Spanien ist geplagt von der Wirtschaftskrise. Die Arbeitslosenquote lag 2013 bei knapp 30% und gar jeder zweite Jugendliche in Spanien findet keine Arbeit. Trotz der Sparpolitik steigt der Schuldenberg jährlich. Er erreichte Ende 2013 sogar ein Rekordniveau von knapp 960 Milliarden Euro.

Doch die Regierung erwartet ein volkswirtschaftliches Wachstum um 1 Prozent im Jahr 2014, nachdem Spanien im dritten Quartal 2013 die Rezession hinter sich lassen konnte (+ 0,1 Prozent Wachstum). Und auch für die Gesamtarbeitslosigkeit wird ein Rückgang auf 25 Prozent prognostiziert.

Trotz dieser mehr oder weniger positiven Prognosen, kommt in dem Land keine Hoffnung auf. Barcelona ist die wirtschaftlich stärkste Region Spaniens und wenn man durch die Straßen spaziert, merkt man zunächst einmal nichts von den Problemen. Doch kommt man ins Gespräch mit den hier lebenden Spaniern, ändert sich der Eindruck schnell. Viele von ihnen kommen nicht aus Barcelona, sondern sind auf Grund von Jobangeboten hergezogen.

Ein Bekannter erzählte mir erst kürzlich, dass in seiner Firma wieder Leute entlassen werden und er völlig gestresst und ausgelaugt von dem Druck sei, der auf ihm lastet. Er sei zwar froh Geld zu verdienen, doch gleichzeitig sei es ein Fluch. Ich habe sogar von Leuten gehört, die nach Deutschland zogen um dort in Eisdielen zu arbeiten.

Es betrübt mich zu wissen, dass so viele Jugendliche gezwungen sind, nicht nur ihre Stadt, sondern gar ihr Land zu verlassen. Und obendrein auch noch um Berufe zu ergreifen, die sie im Leben nicht weiterbringen.

Die Jugendlichen hier haben resigniert. Für sie ist das Leben in Spanien aussichtslos. Sie suchen lieber nach Minijobs im Ausland, als sich weiter um einen Job in ihrer Heimat zu bemühen.

Xavier sagt, dass er glücklich sei, trotz seines gebrochenen Englisch den Job bekommen zu haben. Er ist froh über seinen neuen Job und ist gespannt auf sein neues Leben. Schon in zwei Wochen wird er nach Irland ziehen. Doch es bereitet ihm auch Kummer, da er seine Heimat und Familie hinter sich lässt. Ich verabschiede mich von ihm und wünsche ihm viel Glück. In seinem Gesicht spiegeln sich Freude und Kummer wieder.

von Iris Kimizoglu