Vom 25.07. bis zum 03.08. fand wieder einmal das Klimacamp im rheinischen Revier statt. Am 01.08. wurde zu einem Aktionstag aufgerufen und zahlreiche Aktivist*innen folgten diesem Aufruf. Bagger wurden besetzt, Kohlezüge blockiert und vor einem Werkstor gab es ebenfalls eine Sitzblockade. Die zahlreichen Aktivist*innen protestierten gegen den Braunkohleabbau in der Region. RWE ließ dazu verlautbaren, dass freie Meinungsäußerung zwar ein hohes Gut sei, die Aktivist*innen aber mit dem Eingriff in das Eigentum von RWE eine Grenze überschritten hätten. Auch ein Zeitungskommentar ging in die gleiche Richtung und sprach von „unbelehrbaren“ Aktivist*innen.

Mir stellt sich die Frage, wer hier unbelehrbar ist. Ist es der RWE-Konzern, der an der Braukohle fast krampfhaft festhält, obwohl es genug Alternativen gibt, oder die zahlreichen verschiedenen Menschen, die gegen diesen Starrsinn ankämpfen und dabei immer wieder über ihre unterschiedlichen Sichtweisen diskutieren. Ich habe keine homogene Masse mit einer einheitlichen „unbelehrbaren“ Meinung auf dem Klimacamp erlebt. Im Gegenteil, es waren Menschen aus unterschiedlichen Generationen und mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen da, die sich ausgetauscht haben. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir Gespräche mit einer Zeitzeugin des 2. Weltkriegs, die diesen schrecklichen Krieg als Kind miterleben musste und sich nach dem Krieg in der Friedens- und Antiatombewegung engagiert hat.

In einem anderen Workshop wurde über das für und wider des Emissionshandels, oder einer Emissionssteuer als Alternativmodell diskutiert. Auch hier war die Diskussion nicht von Unbelehrbarkeit, sondern von der Suche nach einer guten Lösung geprägt.

Alles in allem bereue ich, dass ich nur zweieinhalb Tage auf dem Klimacamp sein konnte. Aber im nächsten Jahr komme ich wieder!

 

Zum Hintergrund:

 

Das Klimacamp ist ein Ort in dem Alternativen gelebt werden, Menschen wissen austauschen können, und mit direkten Aktionen und Demonstrationen etwas gegen die Ursachen der Klimakatastrophe tun. Darüber hinaus findet auf einem solchen Camp natürlich auch die Vernetzung unterschiedlichster Bewegungen statt.

Das Klimacamp im Rheinland richtet sich dabei in erster Linie gegen das rheinische Braunkohlerevier. Hier müssen hunderte Menschen ihre Dörfer verlassen – für immer. Diese Dörfer werden dem Erdboden gleich gemacht und abgebaggert um an die unter ihnen liegende Kohle zu gelangen. Die Braunkohle, die zu einem sehr großen Teil aus Wasser besteht wird anschließend in den naheliegenden Kraftwerken verbrannt.

Die Äußerung von RWE, dass der Eingriff in das Eigentum eine Grenze überschritten hat, wirkt vor dem Hintergrund dieser (teilweise rechtswidrigen) Enteignungen, von denen RWE profitiert, mehr als lächerlich.

Der friedliche Widerstand gegen diese Landschafts- und Naturzerstörung, sowie die durch Kohlekraft erzeugten Klimaschäden ist mehr als legitim.

In der Fotogalerie findet ihr ein paar Eindrücke aus dem rheinischen Revier.