Chiquita - Ein Unternehmen in der Kritik
Fairer Handel als Imagekampagne
Die Werbung des Unternehmens Chiquita mit der Dame im blauen Kleid und einem prall gefüllten Obstkorb auf dem Kopf kennen wir alle. Im Jahr 2005 hat Miss Chiquita Gesellschaft von dem Frosch der US-Umweltorganisation Rainforest Alliance bekommen, denn seit 2000 sind alle Chiquita Farmen in Lateinamerika nach den strengen Sozial- und Umweltstandards der Rainforest Alliance zertifiziert.
Derzeit steht Chiquita stark in der Kritik, da das Unternehmen mit 4,5 Milliarden Dollar Jahresumsatz in der Zeit von 1997 bis 2004 Schutzgeld in Höhe von 1,7 Millionen Dollar an kolumbianische Paramilitärs gezahlt hat, die nach dem 11. September 2001 als Terrororganisationen eingestuft wurden und mitverantwortlich für den langanhaltenden Konflikt in Kolumbien sind.
Von Verantwortung für die Arbeiterinnen und Arbeiter auf den großen Bananenplantagen in Südamerika kann also nicht die Rede sein – ganz im Gegensatz zu dem, was auf der Internetseite über die Grundsätze des Unternehmens Chiquita steht.
Imagekampagne großer Unternehmen
Chiquita ist nicht der erste Konzern, der in die Kritik von Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften geraten ist. Im letzten Jahr war es der Lebensmitteldiscounter LIDL, der mit der Ankündigung, fair gehandelte Produkte in seinem Sortiment aufzunehmen, für Furore gesorgt hatte. Derzeit gehören ganze acht LIDL-Produkte zur Reihe „Fairglobe“ – demgegenüber stehen etwa 1700 Produkte, die häufig unter umweltschädlichen und menschenverachtenden Bedingungen hergestellt wurden. Die Beschäftigten in Deutschland werden alles andere als fair behandelt: laut der Gewerkschaft ver.di gibt es in nur vier der über 2.750 deutschen LIDL-Filialen Betriebsräte, ein wichtiges Gremium der Beschäftigten für Mitbestimmung und zur Umsetzung von ArbeinehmerInnenrechten.
Dass es beim Verkauf von fair gehandelten Produkten nicht wirklich um die Verbesserung von Lebens- und Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern geht, sondern vielmehr um eine Imageverbesserung, ist offensichtlich. In den vergangenen Monaten drehte sich dann alles um die geplante Übernahme der Basic AG durch die Schwarzgruppe, zu auch der Discounter LIDL gehört.
Im Juli 2007 hatte die LIDL-Schwarz-Gruppe bereits einen Anteil von 23 Prozent am Bio-Supermarkt Basic erworben und im August die komplette Übernahme angeboten. Auf Druck von LieferantInnen sowie KonsumentInnen entschied sich der Basic-Vorstand vorerst dagegen. Vom Tisch ist die Übernahme aber dennoch nicht.
Was ist eigentlich Fairer Handel?
Viele Großunternehmen werben damit, soziale und ökologische Mindeststandards einzuhalten und ihre Verantwortung für die ArbeitnehmerInnen und die Umwelt ernst zu nehmen. Dass dies häufig nicht der Fall ist, zeigen die Beispiele oben. Eine Sicherheit für Verbraucherinnen und Verbraucher stellen bestimmte Produkt-Zertifikate dar. Die wohl bekannteste Zertifizierung für fair gehandelte Produkte ist das Fairtrade-Siegel der Organisation TransFair, deren Ziele die Stärkung der ProduzentInnen durch Zahlung von fairen Preisen, welche die Produktions- und Lebenshaltungskosten decken, und langfristige und stabile Handelsbeziehungen sind.
Wichtige Kriterien sind außerdem die Wahrung der Menschenrechte, insbesondere der von Frauen und Kinder, sowie umweltverträgliche und ökologisch nachhaltige Produktion. Festgelegt werden die weltweit gültigen Standards des Fairen Handels durch die Fair Trade Labelling Organizations International e.V. (FLO) zusammen mit 20 nationalen Siegelinitiativen. Dieser Zusammenschluss von Organisationen zeichnet zudem die Produkte aus und führt regelmäßige Kontrollen in den Betrieben durch, um die Produktion auf die vereinbarten Kriterien hin zu überprüfen.
fairhandeln selbstgemacht
Fair Trade wird immer beliebter – im Jahr 2006 wurden laut der Fairtrade Labelling Organizations International e.V. (FLO) weltweit 1,6 Milliarden Euro für zertifizierte Fairtrade-Produkte ausgegeben, was einer Zunahme von 40 Prozent gegenüber 2005 entspricht. Der Markt ist also noch ausbaufähig, dabei kommt es aber vor allem auf die VerbraucherInnen an. Wer weiß - vielleicht wirst ja auch du, falls du es nicht eh schon bist, KonsumentIn von fair gehandelten Produkten und hilfst damit die Situation von ArbeitnehmerInnen in den Entwicklungsländern ein Stück weit zu verbessern. Also wie wäre es mit fair gehandelten Blumen als Geburtstagsgeschenk, Engagement in einem Weltladen oder dem Kauf von fair gehandelten Bananen mit dem BanaFair-Siegel anstatt von Chiquita?
Infos über Fairen Handel, Organisationen und Siegel im Internet:
BanaFair e.V.
Eine Welt Netz NRW
Flower Label Program e.V.
El Puente
GEPA – The Fair Trade Company
Fair Play – Fair Life
FLO International
Weltladen-Dachverband e.V.
TransFair e.V.
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