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Konsum bestimmt die Zukunft

27. August 2007

Konsum bestimmt die Zukunft

LMV in Mönchengladbach

Das Thema lautete „Konsum bestimmt die Zukunft“ doch auch bei einem anderen Thema kam Stimmung auf: Afghanistan und die umstrittenen Tornado-Einsätze sorgten für Redeschlachten bei der Landesmitgliederversammlung (LMV) am 25. und 26. August in Mönchengladbach.


Auslöser der Debatte war der Antrag, dem Vorsitzenden von Bündnis 90 / Die Grünen, Reinhard Bütikofer, Kritik für sein Verhalten im Vorfeld der Tornadoeinsatz-Abstimmung im Frühjahr 2007 auf der Sonder-Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) am 16. September in Göttingen auszusprechen. Dieser Antrag wurde von den Mitgliedern abgelehnt. 


Als Reaktion auf diesen Antrag gab es allerdings eine Abstimmung über eine Empfehlung zum Abstimmungsverhalten der Bundestagsfraktion der Grünen, falls es eine Verknüpfung der Frage über eine Verlängerung des ISAF-Mandats mit dem Einsatz deutscher Tornados geben sollte. In diesem Fall spricht sich die Grüne Jugend NRW für eine Ablehnung oder Enthaltung bei der Abstimmung aus.


Als „Afghanistan-Experte wider Willen“ nutzte auch Bundestagsabgeordneter Kai Gehring seinen Besuch bei der LMV, um seine Position zum Thema darzustellen. Kai, unter anderem Jugend- und Hochschulpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, war nach seiner Zustimmung zum Tornado-Einsatz stark kritisiert worden und musste sich immer wieder rechtfertigen.


Auch eine Abstimmung über eine Empfehlung sah er kritisch. „Ich finde es schade so spontan einen Antrag über's Knie zu brechen.“ Vor allem vor dem Hintergrund, dass bisher nicht bekannt ist. wie das Afghanistan-Mandat nach der Vorstellung der Bundesregierung aussehen soll, sagte er: „Das Risiko bei einem Ende des Gesamt-ISAF-Einsatzes ist höher, als bei einer Fortsetzung des Engagements.“ Er forderte ein „Nein“ zur Operation Enduring Freedom (OEF), mehr Geld für den zivilen Aufbau in Afghanistan und eine Weiterführung von Gesamt-ISAF.


Mit vielfachen Änderungen wurde der Leitantrag „Konsum bestimmt die Zukunft“ des Landesvorstands (Lavo) bei zwei Gegenstimmen und vier Enthaltungen angenommen. GJ-NRW-Sprecherin Verena Schäffer erklärte bei der Vorstellung des Antrags, dass keine reine Verzichtsdebatte geführt werden solle, sondern auf „eine bewusste Entscheidung durch Aufklärung“ gesetzt wird. „Wir haben Vertrauen in die mündigen BürgerInnen!“


An diesem Punkt entbrannte eine heiße Diskussion, die besonders von AK Öko und GJ Ruhr unterstützt wurde. Deren Meinung nach müsse ein Konsumverzicht konsequent verteten werden, um globale Gerechtigkeit zu schaffen. Dieser Änderungsantrag wurde allerdings mit einer knappen Mehrheit von 34 zu 31 Stimmen und 4 Enthaltungen abgelehnt und somit weiter auf Bewusstseinsänderung durch Aufklärung und nicht durch Zwang gesetzt.


Eine Beeinflussung des Konsumverhaltens durch Werbung sah Verena hingegen kritisch. „Gerade bei Kindern als Zielgruppe lehnen wir Werbung ab, um sie vor dem gesellschaftlichen Zwang zu konsumieren zu schützen. Sie sollen selbstständig lernen, zu entscheiden. Dennoch sehe ich auch eine positive Nutzung der Werbung als Mittel zur Information.“ Des Weiteren forderte Verena für den Lavo eine Pflicht, Herkunft, Inhaltsstoffe und Produktionsweise zu kennzeichnen.


Sprecherkollege Max Löffler wies auf die Ausnutzung ärmerer und Schwellenländer durch Vorgaben der Welthandelsorganisation WTO hin. Für Deutschland sieht er die Frage nach sozialer Gerechtigkeit stark mit Konsum verknüpft. „Mit Hartz IV kann sich keiner Bioprodukte leisten. Die Mehrwertsteuer auf solche Produkte muss gesenkt werden, um den Verkauf zu fördern. Das Grundrecht auf Nahrung muss durchgesetzt werden!“


Nach einem Geschäftsordnungsantrag stimmten die Mitglieder für eine Trennung zwischen der Forderung nach biologische und fair gehandelten Lebensmitteln. Letztendlich kam durch, dass nur noch fair gehandelte Lebensmittel verkauft werden dürfen, die Entscheidung über einen Kauf biologischer Lebensmittel hingegen beim Verbraucher liegen soll.


Max forderte außerdem ein Verbot von gentechnisch verändertem Saatgut. „Wir positionieren uns klar gegen Gentechnik, es dürfen keine Gen-Pflanzen in Deutschland mehr angebaut werden.“


Wie eine Abkehr von der konventionellen Landwirtschaft praktisch aussieht, hatten einige Mitglieder am vorangegangenen Tag auf einem Bioland-Hof in Mönchengladbach erfahren. Landwirt Reiner Brungs berichtete der Gruppe über seine Entscheidung, biologische Landwirtschaft zu betreiben. „Nachdem ich bei einem Unfall Unkrautvernichter eingeatmet habe und drei Tage flach lag, habe ich auf ökologische Landwirtschaft umgesattelt.“, erzählt er.


Grundsätzliche Erfahrung mit der Denkweise hatte er bereits als Tierheilpraktiker gesammelt. Mittlerweile werden auf dem Hof Rinder gezüchtet und Hühner gehalten. „Die Produkte werden über unseren Hofladen oder einen Biometzger vertrieben.“ Die Milchkuhhaltung hat Brungs aufgegeben. „Nachdem die Milchpreise so stark in den Keller gefallen waren, haben wir darin keine Zukunft mehr gesehen.“


Die Umstellung auf Rinderzucht war nicht die einzige Neuerung im Stall. Einmal pro Jahr stellen Künstler dort ihre Werke aus und locken damit Besucher an den ungewöhnlichen Ausstellungsort – unter den Augen der echten Bewohnern, versteht sich. So ist auch in schlechten Zeiten zumindest die Attraktivität von Hofladen und dem großem Hofcafé gesichert.


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