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Green Trainee


Fortbildungsprogramm 2012

9. Juni 2001

Potentiale nutzen, Begegnungen fördern, Qualitäten sichern - Städte in NRW nachhaltig gestalten

Umweltschutz und Ökologie sind ein inhaltlicher Schwerpunkt der GRÜNEN JUGEND NRW.

Wir bedauern, daß diese Zukunftsthemen in den letzten Jahren weitgehend von der politischen Bühne verschwunden sind. Die teilweise fehlgeleiteten Diskussionen um Ökosteuer und "Atomkonsens" waren hier nicht unwesentlich beteiligt.

Beide Themen verlangen auch weiterhin unseren Einsatz. Aber: Umweltpolitik muß wieder als Querschnittsaufgabe interpretiert und vermittelt werden; sie findet nicht nur statt in Gorleben; die Widerstände lauern nicht nur an den bundesdeutschen Tankstellen. Auch beschränkt sie sich nicht auf Landwirtschaft und Artenschutz. Zwar sind dies alles elementare Bestandteile grüner Umweltpolitik. Auch sind es Identifikationspunkte der Umweltbewegung insgesamt und wichtige Elemente zur Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen und des Lebens.

Der unachtsame Umgang mit der Umwelt geht jedoch weiter.

Seine Auswirkungen beschränken sich nicht auf die Landschaft, auf Artenvielfalt oder die Luftqualität.

Das mangelnde Interesse an Fragen des Umweltschutzes sollte uns nachdenklich stimmen: auch wenn die Ansätze grüner Umweltpolitik richtig sind: sind sie umfassend? Wäre es nicht hilfreich, darüber nachzudenken, wie wir die Menschen wieder für Umweltpolitik interessieren können?

Ökologische Aufwertung des Stadtraumes, zentral gelegene Versorgungseinrichtungen sowie vielfältige kulturelle und Freizeiteinrichtungen dienen der Sicherung der Stadt als Lebensraum. Sie kommen der städtischen Bevölkerung direkte zu Gute, schaffen kurze Wege und tragen so zu Nachhaltigen Entwicklung bei.

 

Nachhaltigkeit braucht die Stadt

 

Nachhaltige Entwicklung ist immer auch nachhaltige Stadtentwicklung. Hier bündeln sich vielfältige Angebote auf engem Raum. Doch die Strukturen in der Stadt selbst sind nicht immer nachhaltig. Wenn etwa 88%1 der Bevölkerung in der Stadt leben, so bedeutet dies, daß gerade hier Potential besteht, große Schritte in Richtung Nachhaltigkeit - dem Projekt für das 21. Jahrhundert - zu gehen.

Das Ausufern der Städte ins Umland bedeutet einen ökonomischen und ökologischen, aber auch einen sozialen Wahnsinn.

Großprojekte auf der "grünen Wiese" stehen in manchen Stadtbezirken marode Bausubstanz, Tristesse, Mangel an Lebensqualität schlechthin gegenüber. Diese sind eng verknüpft mit sozialen und wirtschaftlichen Problemen. Der Auszug auf´s Land bietet dem einzelnen Abhilfe - das eigentliche Problem jedoch heizt es weiter an.

      Die GRÜNE JUGEND NRW tritt dafür ein, die Städte lebenswerter und menschlicher zu gestalten: Innerstädtische Grünflächen, sichere und saubere Kinderspielplätze im bewohnten Bereich sowie ein leistungsstarker ÖPNV und ein vielfältiges Angebot sozialer Einrichtungen erhöhen die Attraktivität der Stadt und machen den Auszug aus der Stadt weitestgehend unnötig.

Stadt für Alle

 

Kulturelle Großprojekte mögen sinnvoll sein, dem Großteil der Jugend bleiben sie eher fremd. Den hohen Subventionen in diesem Bereich steht ein Mangel an günstigen, jugendspezifischen Einrichtungen gegenüber.

Ein vielfältiges Angebot an Freizeiteinrichtungen für Jugendliche, selbstorganisierte Jugendtreffs und Kultureinrichtungen sorgen für Vielfalt und Begegnung. Damit sind sie ein wichtiger Baustein für eine gelungene Integrationspolitik. Der mitunter gefährlichen Langeweile mancher kann somit kulturelles und soziales Lernen entgegengesetzt, der Austausch zwischen den Kulturen und Nationalitäten gefördert werden.

Ehrenamtliches Engagement in diesem Bereich fördert bürgerschaftliches Engagement und ist daher aus einer modernen Gesellschaft nicht wegzudenken.

      Die GRÜNE JUGEND NRW fordert daher die finanzielle und ideelle Unterstützung engagierter Jugendlicher, die sich in ihrer Stadt -gerade aber im ländlichen Raum- für jugendorientierte Einrichtungen stark machen.

      

      Die GRÜNE JUGEND NRW setzt sich dafür ein, lokale Agenda-21-Prozesse in den Städten zu unterstützen. Zukunftsforen müssen fest neben den gewählten Institutionen etabliert werden. Diejenigen, die sich in solchen Foren engagieren, müssen ernster genommen werden.

Stadt leben

 

Wir sehen einen Zusammenhang zwischen dem Strukturwandel, der insbesondere das Ruhrgebiet vor große Herausforderungen gestellt hat, und neuen Beschäftigungsmöglichkeiten - auch für junge Menschen.

Die "Gründungsoffensive" der Landesregierung ist hier ein erfolgreiches Beispiel. Die Gesellschaft gewinnt, wenn junge Menschen eine Existenz aufbauen wollen. Deshalb darf ihnen die Hilfe des Staates nicht verwehrt werden.

Gründungs- und Technologiezentren haben ihren positiven Beitrag zur Regionalentwicklung in der Vergangenheit bewiesen. Die Schließung nordrhein-westfälischer Bundeswehrstandorte eröffnet hier aufgrund des Flächenpotential ganz neuen Spielraum: Dabei sollten die Planungen auf die "Stadt der kurzen Wege" setzen und Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Versorgung vereinen.

      Die GRÜNE JUGEND NRW bestärkt die grün-rote Landesregierung in ihrem Bestreben, durch gezielte Maßnahmen den Anteil der selbstständig und unselbständig beschäftigten Jugendlichen zu erhöhen und gleichzeitig die Gründung weiterer Unternehmen (insbesondere im Bereich sauberer Zukunftstechnologien) zu fördern.

 

Die Vergangenheit hat gezeigt, daß Einkaufszentren auf der "grünen Wiese" ein Übermaß an Verkehr erzeugen, die Innenstädte veröden und den dortigen Handel gefährden. Andererseits: gelungene Maßnahmen im Bereich der Innenstadt, die zum Bleiben einladen und vielfältige Angebote aufweisen, beleben die Stadt und tragen zu einer solidarischen Gesellschaft bei.

      Daher fordert die GRÜNE JUGEND NRW:

      Die Errichtung großer Einkaufszentren außerhalb der Stadt muß der Vergangenheit angehören. Gemischt genutzte, innerstädtische Projekte sind so anzulegen, daß Raum zur Begegnung vorhanden ist, der verschiedene soziale Schichten, Nationalitäten, alt und jung zusammenbringt und niemanden ausgrenzt.

 

einstimmig verabschiedet auf der LMV Dortmund am 9. Juni 2001


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