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Fortbildungsprogramm 2012

2. August 2007

Auf den Spuren der DDR

Politische Bildungsreise nach Berlin

In der Luft  liegt der Geruch von altem Papier, staubig und trocken. Die Leuchtstoffröhren erhellen den Raum, der bis in den letzten Winkel mit ausfahrbaren Aktenregalen ausgestattet ist.


Hier lagern Geschichte und Geschichten aus dem privaten, beruflichen und kulturellen Leben der Bürger der DDR und auch Westdeutschlands. All dies findet sich systematisch auf 180 Kilometern geordnet und sicher verwahrt im Archiv des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit in der Normannenstraße in Berlin.

 

Gewissheit liegt hinter Sicherheitstüren


Nach der Wende änderte sich daran nicht alles, aber Grundlegendes. Die Akten blieben, die HausherrIn und Funktion der Behörde wechselten. Heute ist dort die Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, zu Hause und außer dem Gesetz niemandem mehr verpflichtet. Heute können diejenigen, deren Namen codiert hinter den Sicherheitstüren in den Archiven der Birthler-Behörde lagern, aus ihrem Verdacht eine Gewissheit machen und herausfinden, ob und wie weit der Staat DDR in ihr Leben Einsicht genommen hat. Das Antragsformular für eine solche Aktenüberprüfung kann beim Pförtner abgeholt werden – oder einfach im Internet heruntergeladen werden.


Dennoch ist für die meisten Besucher auch beim Pförtner Schluss mit Zutritt in den riesigen DDR-Komplex, in dem einst Stasi-Minister Erich Mielke das Sagen hatte -Datenschutz wird hier groß geschrieben. Auch die Grüne Jugend NRW bekam diesen Grundsatz bei der diesjährigen Berlinfahrt zum Thema „Auf den Spuren der DDR“ zu spüren. Nach einer ersten Informationsgespräch über Fakten zur Stasi ging es nur noch in Begleitung eines Sicherheitsangestellten und eines Juristen zu den Akten. Der eine lief am Kopf der Gruppe und der andere am Ende, damit gewährleistet werden konnte, dass niemand verstohlen ein Auge auf fremde Daten würde werfen können.

 

Auf Informationen folgten Gefängnisaufenthalte


Was einige der akribisch festgehaltenen Informationen zur Folge hatten, erfuhr die Gruppe beim anschließenden Besuch in der Gedenkstätte Hohenschönhausen, das zuletzt der Stasi als Gefängnis für politisch unliebsame Bürger oder in Ungnade gefallene Unterstützer des Systems diente.


Um dem Schrecken ein Gesicht zu geben, führen ehemalige Gefangene über die Anlage und berichten über Foltermethoden und Alltag hinter den Gittern. Auf den Kaderschulen wurde den Stasiverhörern das richtige Handwerkszeug vermittelt, um die Inhaftierten subtil zu brechen - etwa durch Schlafentzug, wenn die Wärter nachts eine falsche Schlafposition der Gefangenen durch Lärm mokierten- und für ihre Zwecke zu nutzen. „Jeder, der hier wieder rausgekommen ist, hat einen Schaden fürs Leben“, erklärt der ältere Herr, der die Gruppe der Grünen Jugend NRW durch die Gedenkstätte führt. „Nicht erschrecken“, sagt er und das Scheppern von Metall klingt durch den Gefängnisgang, als er die Beobachtungsklappe in einer Zellentür mehrfach zuschlägt. „Ich genieße es, die Türen und Klappen endlich zu schließen, wann und wie ich es will. Das mutet seltsam an, ist aber mein später Triumph über die Wärter.“

 

Ideologie für's Auge


Vierzig Jahre DDR haben aber nicht nur in Aktenarchiven und den Seelen einiger Menschen versteckt Spuren hinterlassen, sondern auch ganz sichtbar das Stadtbild und darüber wiederum die Bürger beeinflusst. Mit der alternativen Stadtführung „Bau auf, bau auf!“ betrachtete die Gruppe die Hauptstadt der DDR unter anderen Gesichtspunkten.


„Bau auf, bau auf!“ hätte durchaus das Motto der DDR-Regierung sein können, denn wo es ging, wurde in Ostberlin die Geschichte des historischen Stadtkerns ab-, um- und eben aufgebaut, damit Erinnerungen umgedeutet und das System nicht nur in Köpfe, sondern auch in Augen einzupflanzen und damit allgegenwärtig zu machen.


Bei einem der vielen Gebäude mit Symbolcharakter in Berlin machte ihnen die Geschichte jedoch einen Strich durch die Rechnung: Das Reichstagsgebäude stand in Westberlin und konnte somit nicht für DDR-Zwecke ideologisch umgedeutet werden. Beim obligatorischen Besuch im Bundestag erfuhr die Gruppe alles über die Geschichte des am meisten besuchten Parlamentsgebäudes der Welt.


Anschließend berichtete der Bundestagsabgeordneten Kai Gehring aus NRW aus seinem Alltag als MdB. Kai ist Jugend- und hochschulpolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion und Mitglied in einigen Ausschüssen. Nach dem Gespräch blieb noch Zeit für eine Besichtigung des Dachs.


Bedauerlicherweise war die begehbare Kuppel ausgerechnet während des Besuchs wegen Wartungsarbeiten gesperrt, aber auch der Blick von der Terrasse auf Berlin zeigt, dass es sich lohnt, in Berlin die Geschichte zu entdecken.

 


Das Fotoalbum zur Fahrt findet Ihr hier.

 


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