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Fortbildungsprogramm 2012

9. September 2007

Recht oder Schutz?

So war das Tierrechteseminar

Recht oder Schutz?

Tierrechte oder Tierschutz? Individuum oder minderwertiges Nutzobjekt? Auf Fragen wie diese bekamen die Teilnehmer des Tierrechteseminars in der Jugendherberge Köln-Riehl recht eindeutige Antworten.


„Tierschützer lehnen die Herrschaft über Tiere nicht ab“, sagten Hella und Kathrin vom Verein „Tierbefreier“. „Wir fordern natürlich nicht, dass Tiere Wahlrecht oder Auto fahren dürfen, das ist ja völliger Quatsch. Aber das Recht auf Freiheit und körperliche Unversehrtheit steht ihnen zu!“


Die Tierbefreier identifizieren sich mit den Zielen der Animal Liberation Front, kurz ALF. Dazu gehören unter anderem die Befreiung von Tieren aus den Stätten, in denen sie gequält werden und ihre Unterbringung in einem guten Zuhause. Das wohl strittigste Ziel ist, all denen, die vom Elend der Tiere profitieren, ökonomische Schäden zuzufügen. Jedoch müssen alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, damit weder Mensch noch Tier Schaden erleiden. Es ist den Tierbefreiern wichtig, ihre Aktionen und das Leid öffentlich zu machen, um für die Rechte von Tieren zu kämpfen.

Dieses hat sich auch Stefan Bröckling auf die Fahnen geschrieben. Der überzeugte Veganer („aber die Zeiten in denen ich das Unrecht heraus geschrieen habe sind vorbei“) hat aus Berufung seinen Beruf gemacht und arbeitet als freiberuflicher Fotograf und Kameramann. Seinen Schwerpunkt hat er beim Thema Massentierhaltung. Und so zeigt er  auch beim Seminar einen Film über Schweinezucht in Massenhaltung. Unglaubliche Szenen mit bekommt der Zuschauer dort zu sehen, Schweine, die im Gang verenden, Schweine mit offenen Wunden – teils durch Kämpfe, teils durch katastrophale Unterbringung.
„Das sind alles aktuelle Bilder aus Deutschland und ich zeige keine Ausnahmebetriebe“, erklärt Stefan Bröckling.


Auf erschreckende Bilder hat Dr. med. vet. Corina Gericke von „Ärzte gegen Tierversuche“ bewusst verzichtet. Ihre Nachricht ist auch so deutlich genug: Es gibt keinen Grund für Tieversuche. „Bei medizinischen Tests beispielsweise ist überhaupt kein Verlass auf Tierversuche, Mensch und Tier sind überhaupt nicht miteinander zu vergleichen und reagieren völlig unterschiedlich.“


Da stellt sich die Frage, warum dann trotzdem noch Versuche an Tieren vorgenommen werden. „Die große Lobby“, ist Dr. Gerickes Antwort. „Es hängt eine 150-jährige Tradition an diesem Verfahren, Publikationen ohne Tierversuche werden als qualitativ minderwertig angesehen und nicht zuletzt hängen daran eine Menge Forschungsgelder.“ Die Alternative sieht sie in der In-Vitro-Methode, die künstlich und außerhalb eines Organismus stattfindet. „Hier muss der Forschungsstandort gestärkt werden.“


Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mensch und Tier“  von Bündnis 90 / Die Grünen hat sich mehr den Tierrechten verschrieben. Jedoch sehen sie ihr Thema nicht so gut in der Partei besetzt, vorherrschend seien hier Wirtschaft und Soziales.


Bei der Grünen Jugend NRW hingegen hat das Seminar einiges ins Rollen gebracht: Der AK Tierrechte hat neue Mitglieder gewonnen und stürzt sich direkt am 20. Oktober in neue Arbeit, um den Weg für Tierrechte zu ebnen.


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