Wir sind von den funktionierenden Ökosystemen auf der Erde abhängig. Durch die lebensfreundlichen Grundlagen der Biosphäre, Atmosphäre und Hydrosphäre konnte sich die Menschheit erst ihre heutige Form der Existenz aufbauen. Wir brauchen die Natur, die Natur aber braucht uns nicht. Übernutzen wir weiterhin die Ressourcen der Erde, zerstören wir unsere natürliche Lebensgrundlage. Wir werden ganze Lebensräume
zerstören und viele andere Lebewesen mit in den Tod nehmen.
Umweltschutz und der Erhalt der Natur sind Fragen der Generationengerechtigkeit. Unsere Kinder und Enkel sollen die gleiche Schönheit und Lebensfreundlichkeit des blauen Planeten genießen können wie wir. Die Natur gehört allen Lebewesen und gleichzeitig gehört sie niemandem. Niemand kann Besitzansprüche gegenüber der Erde geltend machen. Die Natur besitzt einen eigenen Wert, unabhängig von dem Wert, den wir ihr aus ökonomischer Sicht zuweisen.

Umweltschutz ist Menschenrecht

Die GRÜNE JUGEND NRW erkennt das Recht auf eine saubere und intakte Umwelt als Menschenrecht an. Ein würdevolles Leben für alle ist nur möglich, wenn wir eine unversehrte Natur gewährleisten können. Umweltverschmutzungund Klimawandel sind Menschenrechtsverletzungen, da sie vielen Menschen die Lebensgrundlage
nehmen.

Umweltbildung

Von klein auf muss allen Menschen die Möglichkeit zur Information und Diskussion über Umweltmechanismen und Umweltschutz geboten werden. Im Kindergarten und in der Grundschule muss Umweltbildung ebenso wie in weiterführenden Schulen und Hochschulen ein zentrales Thema werden. Ziel ist dabei auch die Schaffung eines Bewusstseins für nachhaltigen Konsum.

Alles für alle! Aber ökologisch und nachhaltig

Das Konsumverhalten in den Industrieländern muss sich radikal verändern. Wir nehmen zu viel Atmosphäre, zu viel Biomasse, zu viele Ressourcen und zu viel Landfläche in Anspruch. Unser Verbrauch muss sich an der Nachhaltigkeit orientieren. In Deutschland verursacht jede Bürgerin und jeder Bürger durchschnittlich 10 bis 13 Tonnen CO2 im Jahr, obwohl jeder Mensch weltweit nur durchschnittlich zwei Tonnen Treibhausgasemissionen
pro Jahr verursachen dürfte. Umweltschutz ist ohne Konsumverzicht nicht möglich – wir müssen unseren Lebensstil grundsätzlich ändern! Dazu gehören unter anderem eine drastische Reduzierung unseres Fleischkonsums, die Einschränkung des Wasserverbrauchs sowie die Begrenzung von weiten Urlaubsreisen.

Müll vermeiden

Wachsende Abfallberge, insbesondere die giftigen Müllreste auf den Deponien, stellen ein immer größeres Problem dar. Mittels kluger Verpackungs- und Recyclingsysteme müssen wir dafür sorgen, dass Müll optimal wiederverwertet wird – oder gar nicht erst entsteht, denn nicht vorhandener Müll braucht auch keine Grundsatzprogramm der GRÜNEN JUGEND NRW 14
Müllverbrennungsanlage!

Umweltverbrauchssteuer

Ziel unserer Steuerpolitik ist es, die Schädigung der Natur, die Ressourcenknappheit sowie die übermäßige Müllproduktion im Preis eines Produktes abzubilden. Umweltfreundliches Verhalten muss sich auszahlen, umweltschädigendes dagegen muss bestraft werden. Wir fordern die komplette Abbildung der ökologischen Kosten in den Preisen über entsprechende Umweltverbrauchssteuern. Die Bemessungsgrundlage sollten dabei
zum einen die verbrauchten Ressourcen und zum anderen die im Produktionsprozess emittierten Schadstoffe sein.
Die nationale Umsetzung der ökologischen Steuerpolitik auch für ausländische Produkte kann aber nur der erste Schritt auf dem Weg zur Einführung einer globalen Umweltverbrauchssteuer sein!

Klima und Energie

Der derzeitig verstärkte globale Anstieg der Durchschnittstemperatur auf der Erde ist vom Menschen verursacht. Die Emissionen des Klimagases CO2 gehen größtenteils auf die Industrieländer zurück, während die armen Länder des Südens den größten Anteil der Folgeschäden zu tragen haben. Klimaschutz ist damit zu einer Frage der globalen sozialen Gerechtigkeit geworden. Zwischenstaatliche Solidarität muss sich etablieren,
weshalb die GRÜNE JUGEND NRW eine gute internationale Klimapolitik immer auch als gute Weltinnenpolitik versteht. Statt national beschränkter Sichtweisen brauchen wir die internationale Betrachtung von Umweltfragen – Klimaschutz ist eine globale Aufgabe!
Die Treibhausgase, insbesondere die CO2-Emissionen, müssen deutlich verringert werden! Andernfalls ist das Ziel, die bereits stattfindende Erwärmung bei zwei Grad zu stoppen bzw. darunter zu halten, völlig utopisch.
Realisierbar, aber auch dringend notwendig, ist eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 50 Prozent gegenüber 1990 und um mindestens 80 Prozent bis zum Jahr 2040.

Klimagerechtigkeit

Unser Leitbild einer ökologischen Reform in der internationalen Politik ist das VerursacherInnenprinzip. Die HauptverursacherInnen des Klimawandels müssen auch den Hauptanteil zur Reduktion beitragen und deren Kosten tragen. Dies darf nicht auf Kosten der sozial Schwächeren geschehen. Ohne die aufstrebenden Schwellenländer China, Indien und Brasilien in den internationalen Klimaschutz mit einzubeziehen, wird der Klimawandel jedoch nicht einzudämmen sein.
Die Industrieländer müssen gemäß ihrer Verantwortung die Entwicklungsländer für entstehende Klimaschäden entschädigen. Sie müssen Schwellen- und Entwicklungsländern helfen von Anfang an auf erneuerbare Energien und effiziente Technologien zu setzen. Nur so lässt sich der Wunsch nach Wohlstand mit effektivem Klimaschutz verbinden. Um weltweite Lebensqualität zu ermöglichen, müssen die Industrieländer ihren Ressourcenverbrauch stärker einschränken als die Entwicklungsländer ihre Ressourcennachfrage ausweiten. Die wenigen verbliebenen Ressourcen müssen fair verteilt werden!

Pro-Kopf-Emissionsrecht

Jeder Mensch hat das gleiche Recht auf den Ausstoß von CO2 und anderen klimaschädlichen Gasen. Pro Kopf dürften durchschnittlich pro Jahr maximal zwei Tonnen Kohlenstoffdioxid oder das entsprechende Wirkungsäquivalent an anderen Treibhausgasen ausgestoßen werden, um den Klimawandel nicht zusätzlich voranzutreiben.
Die GRÜNE JUGEND NRW fordert die Einführung eines globalen Zertifikatehandels, der nach
dem Pro-Kopf-Emissionsrecht ausgestaltet ist. Demnach bekommt jeder Staat entsprechend seiner EinwohnerInnenzahl eine bestimmte Anzahl an CO2-Zertifikaten. Diese Zertifikate können an die Industrie- oder andere Staaten weiterversteigert werden. Durch diesen Mechanismus hätten die Schwellen- und Entwicklungsländer die Chance durch eine sparsame Wirtschaft Zertifikate an die emissionsstarken Industrieländer zu verkaufen, welche wiederum einen stärkeren Anreiz zur Einsparung von Emissionen hätten.

Energieeinsparung, Effizienzsteigerung, Energiewende

Ein wesentlicher Teil der Reduktion von Treibhausgasen und Ressourcenverbrauch muss bei der Energieerzeugung stattfinden. Unser ambitioniertes Ziel lässt sich jedoch nur im Dreiklang der E’s erreichen: Energieeinsparung, Effizienzsteigerung und Energiewende. Den verschwenderischen Energieverbrauch von heute vollständig durch erneuerbare Energien zu decken, würde eine endlos lange Zeit in Anspruch nehmen. Stattdessen müssen wir mindestens 50 Prozent unseres heutigen Energieverbrauchs durch höhere Effizienz und
Einsparungen decken. Deswegen ist die Energiewende auf das Erzielen von Einsparungen und Effizienzsteigerungen angewiesen. Wir müssen für sie ebenso kämpfen, wie für den Ausbau regenerativer Energien. Die GRÜNE JUGEND NRW fordert eine möglichst dezentrale und kommunal organisierte Energieversorgung, um den BürgerInnen größeren Einfluss auf ihre Energieversorgung zu ermöglichen.

Erneuerbare ausbauen!

Unser Ziel ist es, die benötigte Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu beziehen, sowohl bei der Strom- als auch der Wärmeproduktion. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es einer staatlichen Förderung für die Produktion erneuerbarer Energien zur Wärmeproduktion. Analog zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das den Anteil der regenerativen Energieträger an der Stromproduktion enorm erhöht hat, muss es eine entsprechende Regelung für „Erneuerbare Wärme“ geben.

Keine Kohle!

Die Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist eine Hauptursache der Treibhausgasemissionen und muss so schnell und so stark wie möglich reduziert werden. Der Anteil der Energie aus Braun- und Steinkohle, die klimaschädlichsten Energieträger überhaupt, muss schnellstmöglich verringert, die Subventionen für Braun- und Steinkohle abgebaut werden. Bestehende Kohlekraftwerke müssen abgebaut und durch erneuerbare
Energien ersetzt werden. Auch dürfen staatliche Forschungsgelder nicht länger in die Weiterführung fossiler Energieerzeugung gesteckt werden!

Kein Atom!

Die Atomkraft kann keinen Beitrag zur Lösung des Klimaproblems leisten, zumal sie lediglich 2,3 Prozent zur weltweiten Energieversorgung beiträgt. Ein relevanter Ausbau wäre technisch und wirtschaftlich überhaupt nicht machbar. Je aufwändiger das Uran gefördert werden muss, desto höher steigt der Preis und desto größer werden die Umweltfolgen der Förderung. Wir müssen den Ausstieg aus der Atomenergie so rasch wie
möglich vorantreiben. Jeder Tag, den Atomreaktoren länger im Betrieb sind, erhöht die Unmengen an radioaktivem Müll, für deren Lagerung es bis heute kein schlüssiges Konzept gibt. Jeder Tag erhöht auch das Risiko einer nuklearen Katastrophe. Wir müssen gleichzeitig den Klimawandel bekämpfen und aus der Nutzung der Atomenergie aussteigen!

Klimaneutral wohnen

Wir wollen die Städte Deutschlands ökologisch erneuern. HauseigentümerInnen sollten durch Kampagnen und Informationsmaterial sowie durch staatliche Förderung der Altbausanierung zur Investition in eine ökologische Modernisierung motiviert werden. Passivhäuser und gut gedämmte Alt- und Neubauten müssen zum Standard werden, Genehmigungen für den Neu- oder Umbau von Häusern müssen an strenge und verpflichtende
ökologische Auflagen geknüpft werden.

Mobilität

Umweltschutz und Mobilität für alle

Die GRÜNE JUGEND NRW fordert eine moderne Mobilitätspolitik, die Umweltschutz gewährleistet, indem sie den Ausstoß von CO2 und Feinstaub reduziert, den Lärm in Städten, an Autobahnen und Flughäfen einschränkt und die Versiegelung von Flächen stoppt. Gleichzeitig muss Mobilität weiterhin für alle möglich sein. Wir setzen deshalb auf einen kostenlosen öffentlichen Nah- und Fernverkehr und wollen FußgängerInnen und RadfahrerInnen in den Städten mehr Raum bieten.

Individualverkehr eindämmen

Der starke Autoverkehr hat zahlreiche negative Auswirkungen, denen die Verkehrspolitik bisher nicht annähernd Rechnung trägt. Eines der gravierendsten Probleme dabei ist der hohe CO2-Ausstoß, denn der gesamte Verkehrssektor verursacht heute etwa ein Fünftel der deutschen Gesamtemission. Um das Ziel einer Senkung des Ausstoßes zu erreichen, muss auch der Straßenverkehr eingedämmt werden. Vor allem innerstädtisch hat das Autofahren zahlreiche weitere negative Auswirkungen: Es erhöht die Konzentration von gesundheitsschädlichem Feinstaub, verursacht gesundheitsschädigenden Lärm und verdrängt FußgängerInnen, spielende Kinder – das gesamte öffentliche Leben – von der Straße.
Die GRÜNE JUGEND NRW setzt sich für verkehrsberuhigte Innenstädte und autofreie Zonen in Wohngebieten sowie schärfere Geschwindigkeitsbegrenzungen in den Städten ein. Besonders in stark befahrenen Städten ist die Einführung einer City-Maut sinnvoll, um den Autoverkehr einzudämmen. Gleichzeitig sollen FußgängerInnen- und Radwege ausgebaut werden, um eine Alternative zu kurzen Autofahrten innerhalb der Stadt zu bieten. Auch Car-Sharing-Angebote können dazu beitragen, die Anzahl der Privatfahrzeuge zu reduzieren.
Die GRÜNE JUGEND NRW fordert eine einheitliche Geschwindigkeitsbegrenzung auf 120 km/h für Autobahnen, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren und AutoherstellerInnen dazu zu bewegen, statt PS-starke Maschinen intelligente Spritsparer zu bauen. Einer Autobahnmaut stehen wir kritisch gegenüber, da sie lediglich den Fernverkehr auf die Landstraßen verdrängen wird. Wir sprechen uns stattdessen für eine Reduzierung des Gütertransports auf der Straße und für eine Umlagerung auf die Schiene aus.

ÖPNV ausbauen

Ohne einen flächendeckenden und kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wird es kaum gelingen, den Autoverkehr einzudämmen. Besonders für Menschen ohne Auto – Jugendliche, ältere Menschen, GeringverdienerInnen und Arbeitslose – ist der ÖPNV oft die einzige Möglichkeit, sich fortzubewegen und damit auch am öffentlichen Leben teilzunehmen. Die Stärkung von Bus und Bahn ist deshalb auch immer soziale
Infrastrukturpolitik.
Bis zur vollständig kostenlosen Nutzung des ÖPNV muss es für GeringverdienerInnen und Arbeitslose ebenso wie für SchülerInnen, StudentInnen und RentnerInnen flächendeckend ermäßigte Tickets geben. Zudem muss das derzeitige Angebot ausgeweitet werden: Es müssen auch unter der Woche Nachtbusse fahren, auch kleinere und weit abgelegene Orte müssen besser angebunden werden, um den BewohnerInnen Mobilität ohne Auto zu ermöglichen.

Keine Subvention des Flugverkehrs!

Fliegen ist so günstig wie nie. Die so genannten Billigflieger machen es möglich, auch für kurze Zeit in die Ferne zu reisen – mit fatalen ökologischen Folgen: Das Reisen mit dem Flugzeug ist unglaublich energieintensiv.
Dazu kommt, dass der Ausstoß von Klimagasen in höheren Luftschichten der Atmosphäre noch klimaschädlicher ist als auf dem Boden. Gerade für Kurzstreckenflüge sind Reisebusse und die Bahn eine sinnvolle Alternative. Jedoch mangelt es noch an Hochgeschwindigkeitsstrecken im Zugverkehr, um Kurzstreckenflüge vollkommen überflüssig zu machen. Doch solange Kerosin unbesteuert bleibt – eine Form der Flugsubvention, da für alle anderen Treibstoffe Steuern erhoben werden – können diese umweltfreundlichen Transportmittel nicht in Konkurrenz mit dem Flugzeug treten. Wir fordern deshalb die Ausweitung der Besteuerung auch auf Flugkerosin. Des Weiteren fordern wir einen sofortigen Ausbaustopp der Flughäfen, um der Expansion der Flugindustrie entgegenzutreten, und den gesundheitsschädigenden Lärm für AnwohnerInnen und Tiere einzudämmen.

Naturschutz und Biodiversität

Der Schutz der Biodiversität ist eine unserer großen Herausforderungen im 21. Jahrhundert. Wer die Biodiversität schützen will, muss wirksame Maßnahmen für den Schutz der Lebensräume, insbesondere der Meere, Ozeane und Wälder, sowie des Bodens, der Luft und des Wassers und der Stabilität des Klimas ergreifen.
Auch bei der Umsetzung der Klimarahmenkonvention und des Kyoto-Protokolls müssen die Biodiversitätsaspekte berücksichtigt werden. Die Existenz jeder Tier- und Pflanzenart ist schützenswert, unabhängig von ihrer Nützlichkeit oder Schädlichkeit für den Menschen. Wir haben kein Recht die Ökosysteme zu zerstören oder Arten unwiederbringlich auszurotten. Die Vielfalt ist eng mit dem Leben verknüpft – Biodiversität
macht Leben erst möglich. Um die Intaktheit komplexer Ökosysteme zu gewährleisten, sind internationale Zusammenarbeit und strenge internationale Abkommen wichtig, die Natur kennt keine Ländergrenzen. Besonders das Meer muss als Lebensgrundlage vieler Millionen Pflanzen, Tiere und Menschen sowie seiner Bedeutung für das Klima durch verbindliche internationale Abkommen mit klaren Sanktionen besser geschützt werden.

Flüsse und Menschen schützen

Überall in Deutschland wurden und werden noch natürliche Flussläufe begradigt und umgebaut, nicht nur um sie für den Schiffsverkehr zugänglich zu machen, sondern diesen auch noch zu beschleunigen. Viele Tier- und Pflanzenarten verlieren so für immer ihren Lebensraum. Außerdem steigt die Gefahr von Überschwemmungen. Bewachsene Ufer und ursprüngliche Flussläufe bieten hier einen natürlichen Schutz.
Wir fordern ein Verbot von weiteren Flussbegradigungen und langfristig einen Renaturierungsplan für geeignete und vom Hochwasser besonders gefährdete Flussgebiete. In diesem Zusammenhang sollen künftig auch Wasserkraftwerke höhere ökologische Standards erfüllen.

Effektiver Naturschutz geht besser

Trotz gegebener Umweltbestimmungen sind in Europa noch immer viele Tier- und Pflanzenarten in ihrem Bestand gefährdet. Zwar existieren einige Naturschutzgebiete, jedoch sind diese oft zu klein, um einen Artenfortbestand zu garantieren. Deshalb fordern wir grundsätzlich eine Ausweitung der Naturschutzgebiete!
Dabei muss sichergestellt sein, dass möglichst große, zusammenhängende Wildflächen entstehen.
Die GRÜNE JUGEND NRW fordert, dass der ökologische Faktor in Zukunft bei allen Bauprojekten eine stärkere Berücksichtigung findet. Im Zweifelsfall muss der Erhalt der Natur vor kurzfristige, wirtschaftliche Interessen gestellt werden.

Landwirtschaft, Gentechnik und Ernährung

Die globale Ernährungssituation ist von Ungerechtigkeiten geprägt: In den Industrieländern herrscht ein krasser Überfluss an Nahrungsmitteln, zudem sind Übergewicht und ernährungsbedingte Krankheiten weit verbreitet. In den Entwicklungsländern dagegen grassieren extreme Armut und Mangelernährung. Diese
Missstände sind aber nicht auf einen globalen Mangel an Nahrungsmitteln, sondern auf ihre ungerechte Verteilung zurückzuführen. In weiten Teilen der Erde verursacht die Nahrungsproduktion zudem enorme Umweltschäden:
Ausstoß von Treibhausgasen, Rodung von Urwäldern, Übernutzung der Böden. Nur eine deutliche Veränderung in der globalen Landwirtschaftspolitik und eine Umstellung der Konsumgewohnheiten in den Industrieländern können die Entwicklung des Hungers und der Umweltzerstörung stoppen – die von Nahrungsmittelkonzernen viel gepriesene Gentechnik hingegen verschärft die Problematiken noch.

Landwirtschaft – bitte biologisch

Die moderne Landwirtschaft mit ihrer industriellen Massenproduktion ist für viele ökologische Probleme (mit-)verantwortlich. Felder werden überdüngt und damit Boden und Grundwasser verseucht, Urwälder werden gerodet, um für Futtermittelanbau Platz zu schaffen, riesige Monokulturen verdrängen die Artenvielfalt. Die daraus resultierenden Produkte sind mit Pestiziden, Antibiotika und Chemikalien belastet. Anstatt Anreize
zu einer nachhaltigen Landwirtschaft zu setzen, fördern die EU-Agrarsubventionen diese überholte Produktionsweisen noch und sorgen zudem dafür, dass die Märkte der Entwicklungsländer mit billigen europäischen Produkten überschwemmt und lokale AnbieterInnen vom Markt verdrängt werden. Diese entwicklungs- und umweltschädliche Verschwendung von Geldern muss endlich ein Ende haben.
Stattdessen fordern wir die konsequente Förderung der biologischen Landwirtschaft, die im Einklang mit der Natur und im Respekt zu allen Lebewesen gesunde Produkte ohne Pestizide und Antibiotika herstellt. LandwirtInnen müssen verstärkt Anreize zur Umstellung geboten werden. Das deutsche Biosiegel ist ein großer Erfolg, da es KonsumentInnen bei der Entscheidung für artgerechte, umweltschonende und gesunde Produkte
unterstützt. Wir begrüßen eine Ausweitung auf ein EU-Siegel, das jedoch nicht mit einer Lockerung der Kriterien insbesondere in Richtung Gentechnik einhergehen darf. Das Ziel der GRÜNEN JUGEND NRW ist 100 Prozent Biolandwirtschaft!
Doch die biologische Vielfalt in der Landwirtschaft ist stark rückläufig. Die Ernährung der Weltbevölkerung hängt an immer weniger Arten, Sorten und Rassen. Die rein auf hohen Ertrag ausgerichtete Landwirtschaft hat ihre Nebenwirkungen lange Zeit ausgeblendet. Sie ist weder ökologisch, noch ökonomisch oder sozial nachhaltig. Die GRÜNE JUGEND NRW fordert eine ökologische Landwirtschaft, in der die LandwirtInnen ihre handwerklichen Fähigkeiten, die Vielzahl der Kultursorten und -rassen, die moderne Technik und Wissen
über ökologische Zusammenhänge nutzen, um standortangepasst mit den Abläufen in der Natur zu wirtschaften, anstatt gegen sie zu kämpfen.
Wir müssen auch in der Landwirtschaft die Gerechtigkeitsfrage stellen, sowohl auf europäischer als auch auf internationaler Ebene. Wir müssen einen Weg finden, der das Einkommensproblem der LandwirtInnen entschärft, anstatt die Ungleichheiten zu verstärken, wie die bisherige Subventionspolitik es tut. Mittelfristig müssen Betriebe, die nicht nach Bio-Richtlinie arbeiten wollen, den Abgrenzungsaufwand zu Biobetrieben
tragen.

Für gesunde Ernährung und VerbraucherInnenschutz

Ohne einen Wechsel des Konsumverhaltens ist der Umschwung zu einer biologischen Landwirtschaft nicht zu schaffen. Insbesondere den enormen Hunger der Industrieländer auf Fleisch und Fisch können biologische Produktionsweisen nicht stillen. Beim Anbau der Futtermittel wird häufig auf genmanipulierte „Superpflanzen“ zurückgegriffen, außerdem wird wertvoller Regenwald zerstört, um Anbauflächen zu schaffen. Die industrielle
Massentierhaltung ist schlicht Tierquälerei und mit ethischen Prinzipien nicht vereinbar. Biologische Landwirtschaft und Ernährung muss deshalb auch die Reduktion des Fleischkonsums bedeuten. Das gleiche gilt für den Fischverzehr: Viele Meeresgründe sind schon leer gefischt, die riesigen Fischereischiffe zerstören das sensible Gleichgewicht der Meere. Aus diesen Gründen wirbt die GRÜNE JUGEND NRW für eine vegetarische und vegane Ernährung.
Nicht nur global ist gesunde Ernährung eine Frage von Reich und Arm – das gleiche gilt in Deutschland. Gesunde, biologische Ernährung darf kein Privileg der Reichen sein: Die Berechnung der staatlichen Sozialleistungen muss höhere Kosten für gesunde Lebensmittel einplanen, in den Schulen, Betrieben und Universitäten muss es gesunde und kostengünstige Verpflegung in den Mensen geben! Zudem müssen transparente und einfach verständliche Informationen über Inhaltsstoffe, deren Herkunft und die Verarbeitung für alle VerbraucherInnen zugänglich gemacht werden. Nur wer über die verschiedenen Alternativen Bescheid weiß, kann mündig entscheiden. VerbraucherInnenschutz ist ein wichtiger Schritt hin zu gesünderer und umweltbewusster Ernährung und Konsum.

Gentechnik – nein danke

Die GRÜNE JUGEND NRW lehnt den Anbau von gentechnisch manipuliertem Saatgut entschieden ab. Entgegen den Beteuerungen von Saatgutkonzernen hat die Verbreitung der so genannten „grünen Gentechnik“ verheerende Folgen für Umwelt und Menschen, vor allem für jene in den Entwicklungsländern.
Die große Schwäche der gentechnisch manipulierten Pflanzen ist die Kontaminationsgefahr der Umwelt, in der sie angebaut, geerntet und verarbeitet werden. Die Folgen der Kreuzung mit anderen Pflanzen sowie des Verzehrs durch Mensch und Tier sind ungeklärt, ebenso die Haftungsfrage bei Kontamination eines Nachbarfeldes. Trotz der möglichen Gefahr für das ökologische Gleichgewicht und die Gesundheit der KonsumentInnen wird genmanipuliertes Saatgut besonders für Futtermittel weiterhin im großen Stile angebaut. Anders als Produkte, die direkt gentechnisch veränderte Organismen enthalten, müssen Produkte von Tieren, die mit solchem Futter versorgt werden, bisher nicht gekennzeichnet werden. Das ist eine unhaltbare Missachtung der VerbraucherInnenrechte, die hier hinter die Profitinteressen der Saatgutkonzerne zurückgestellt werden.
ProduzentInnen von Saatgut rechtfertigen ihre neuen „Superpflanzen“ oft mit dem Argument, dass so der Hunger der Welt überwunden werden könnte. Doch das Gegenteil ist der Fall: Durch Patent- und Nutzungsregelungen schaffen die Konzerne ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Saatgutkonzernen und den LandwirtInnen. Diese verlieren jegliche Autonomie, da sie jedes Jahr neues Saatgut kaufen müssen. Zudem entstehen riesige Monokulturen, welche die natürlichen Umweltschätze zerstören. Hunger ist kein Problem der Quantität, sondern der ungerechten Verteilung und lässt sich deshalb auch nicht mit scheinbar ertragreicheren Pflanzen lösen!
Die GRÜNE JUGEND NRW lehnt gentechnisch veränderte Organismen (GVO) für die Forst- und Landwirtschaft ab. Einmal in die Natur gelassen, ist die Gentechnik nicht rückholbar. Die effektivsten Haftungs- und Abstandsrichtlinien können dies nicht verhindern. Wir sprechen uns deshalb für ein vollständiges Verbot von GVO aus. Ebenso fordern wir die so genannte Terminatortechnologie zu verbieten. Die Samen dieses Saatguts sind nicht mehr keimfähig und verhindern die Aussaat von selbst geerntetem Saatgut. LandwirtInnen
werden somit abhängig vom Nachkauf des Saatgutes. Diese Technologie ist ein Angriff auf die bäuerlichen Rechte, untergräbt die Ernährungssouveränität und gefährdet die Ernährungssicherheit.

Energie vom Acker

Neben Nahrungs- und Futtermitteln werden zunehmend auch Energiepflanzen angebaut, die vor allem zu Agrosprit verarbeitet werden. Prinzipiell ist die Idee der klimaneutralen Bilanz zu begrüßen, denn bei der Verbrennung dieses Sprits werden nur so viele klimaschädliche Gase freigesetzt, wie vorher bei der Photosynthese aufgenommen wurden. Die Energie vom Acker zieht aber zahlreiche Probleme nach sich: Es entstehen
riesige Monokulturen, für die teilweise Tropenwälder abgeholzt und gentechnisch manipulierte Pflanzen verwendet werden. Die Nachfrage nach Treibstoffen aus Mais oder Weizen lässt die Preise für diese Nahrungsmittel steigen, sodass sie für Menschen in den Entwicklungsländern unbezahlbar werden. Der Energiehunger der Industrienationen ist so wiederum für den Hunger in anderen Regionen der Welt verantwortlich.
Biotreibstoffe lenken von der Hauptaufgabe ab, den Individualverkehr einzudämmen und die Energieeffizienz zu steigern. Deshalb muss Bioenergie vor allem aus Abfallstoffen, etwa Gülle oder Holzresten, gewonnen und zur gekoppelten Strom- und Wärmeproduktion genutzt werden.