B – Mit guter Bildung und Ausbildung in die Zukunft

In den letzten 6 Jahren hat NRW viele kleine Schritte in Richtung einer guten Bildungspolitik gemacht. So hat sich beispielsweise mit der Abschaffung der Studiengebühren oder der Einführung der Inklusion viel getan. Uns reichen jedoch viele kleine Schritte in der Bildungspolitik nicht aus. Als GRÜNE JUGEND NRW streiten wir für einen Paradigmenwechsel im Bildungswesen. Noten, Formalitäten und den Mehrwert für die Wirtschaft wollen wir nicht länger in den Fokus setzen. Für uns sind die Bedürfnisse der Lernenden entscheidend. Deswegen wollen wir die Bildung qualitativ aufwerten und sie modernisieren, den Druck rausnehmen und Schulen und Hochschulen endlich solidarisch gestalten. Die tiefe soziale Spaltung nach Schulformen zeigt: Es ist Zeit für eine progressive Bildungspolitik. Und die werden wir uns in den kommenden Jahren erkämpfen!

 

B1 Schule

Eine Schule für alle

In einem gerechten Schulsystem haben alle Kinder unabhängig von Herkunft, Geldbeutel der Eltern und Geschlecht das gleiche Recht auf die beste Bildung. Dieses Recht wird nur in einer Schule für alle Kinder Realität. Bildung muss mehr sein als nur Zuhören, Lesen, auswendig Lernen und Noten bekommen! Schüler*innen müssen miteinander lernen und dabei individuell gefördert werden. Mehr pädagogische Aufgaben für die Schulen müssen aber auch mehr Lehrpersonal sowie Schulpsycholog*innen, Sonder- und Sozialpädagog*innen mit sich bringen.
Zudem erkennt die Grüne Jugend NRW an, dass Bildung auch außerhalb von Schulen stattfindet. Daher müssen auch Sportvereine, Musikschulen, Jugend und Kulturzentren sowie Museen besser in den Schulalltag eingebunden und finanziell unterstützt werden, sodass Kinder und Jugendliche unabhängig von ihrer Herkunft ihre Interessen austesten und ihre Talente entdecken können. Während in Städten ein breites Angebot an außerschulischen Bildungsangeboten existiert, gibt es im ländlichen Raum oft nur wenige oder nur sehr einseitige Angebote. Daher wollen wir uns für die Förderung von außerschulischen Bildungsstätten einsetzen.
Das Bildungssystem ist höchst ungerecht und sozioökonomisch selektiv: Bereits in frühen Schuljahren wird über die weitere Zukunft der Schüler*innen entschieden. Wir fordern die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems und die Einführung einer Schule für alle. Hierbei ist es uns aber wichtig, flächendeckend vom Staat getragene Gemeinschaftsschulen zu schaffen, die breit gefächerte Schwerpunktsetzungen und unterschiedliche pädagogische Modelle zulassen. Denn jedes Kind lernt anders!

In dieser neuen Schule sollen alle Kinder bis zum Ende der Pflichtzeit, in der Regel bis zur Jahrgangsstufe 10, gemeinsam lernen. Dieses Ziel wird kurzfristig durch eine flächendeckende Ausweitung der Gesamtschulen in NRW erreicht. Die jetzige Trennung in verschiedene Schulformen lehnen wir aber langfristig ab.
Außerdem fordern wir die umfassende Demokratisierung des Bildungssystems. Lehrerende, Eltern und Schüler*innen müssen in allen Schulgremien gleich stark – im Sinne einer konsequenten Drittelparität – vertreten sein. Zudem fordern wir die konsequente Abschaffung von Disziplinarkonferenzen von Schulen: Schüler*innen dürfen nicht durch Repressalien eine pädagogische Betreuung erfahren, sondern durch eine progressive Form von Pädagogik.

Vor allem wollen wir aber die eigene Entscheidung von Schüler*innen stärken. Deswegen streiten wir für ein Abschulungsverbot in NRW. Wir wollen, dass Erziehende und Schüler*innen – solange es noch ein mehrgliedriges Schulsystem gibt – auch nach dem Wechsel von der Grund- auf die weiterführende Schule selbst die Schulform wählen können. Mit der bisherigen Praxis der Abschulung herrscht Zwang, so kann beispielsweise ein Kind von der Realschule auf die Hauptschule herabgestuft werden. Dies ist pädagogisch nicht sinnvoll.

 

Leistungsdruck reduzieren: Noten abschaffen

Noten haben sich im Schulalltag als kontraproduktiv erwiesen. Das Ziel der Schüler*innen ist es geworden, möglichst gute Noten zu erreichen und nicht, sich den vorhandenen Lernstoff tatsächlich anzueignen. Dies führt zu einem puren “Notenlernen“ und dem Vergessen des Stoffes. Der Druck, immer bessere Noten zu erreichen, führt zu Stress und Unkonzentriertheit. Wir fordern daher die Abschaffung aller Notensysteme und die Einführung eines alternativen Bewertungssystems.

 

Inklusion leben

Menschen mit Behinderungen werden oft stigmatisiert und nicht als gleichberechtigter Teil der Gesellschaft wahrgenommen. Die Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung in den Regelschulbetrieb baut Berührungsängste und Vorurteile von Kindesalter an ab. Dennoch stößt dieses Vorhaben noch immer auf Widerstände.
Wir als GRÜNE JUGEND NRW lehnen die immer noch existente Forderung zur Isolation von Kindern mit Behinderung auf Förderschulen ab. Vielmehr müssen endlich die notwendigen Mittel bereit gestellt werden, damit es genügend geschulte Lehrer*innen und Betreuer*innen in den Regelschulen gibt, die den Kindern und Jugendlichen mit Behinderung zur Seite stehen und gegebenenfalls verschiedene Anforderungsbereiche innerhalb einer Klasse vermitteln können.

 

Gleichstellungsbeauftrage an Schulen

Schulen sind nach wie vor kein geschlechtergerechter Raum. Wir wollen die Benachteiligung von Geschlechtern aufbrechen – und das auch in den Schulen. Aus diesem Grund setzen wir uns dafür ein, dass Gleichstellungsbeauftragte in den Schulen NRWs eingeführt werden.

 

Gendersensible Bildung für alle von Anfang an!

Wir wollen ein Bildungssystem, das alle Kinder und Jugendlichen fördert und ihre individuellen Stärken zu Tage bringt, statt ihnen durch rückständige Geschlechterstereotype wie „Mädchen sind schlechter in Mathe“ oder „Jungen können keine Fremdsprachen erlernen“ Stärken oder Schwächen einzureden. Geschlechtergerechtigkeit ist ein erklärtes Grundziel der GRÜNEN JUGEND NRW; deswegen wollen wir Kinder und Jugendliche von Anfang an ermutigen, sie selbst zu sein – losgelöst von geschlechterbedingten Rollenbildern. Mädchen, die traditionell in vielen Unterrichtsräumen geringere Redeanteile an den Tag legen, weil ihnen von der Gesellschaft mehr Zurückhaltung anerzogen wird, wollen wir in der Schule zu mehr Beteiligung ermutigen und gerade in den MINT-Fächern (12) mehr Teilhabe ermöglichen. Jungen wollen wir dabei unterstützen, Kenntnisse zu erwerben, die traditionell eher weiblich besetzt sind, das ist beispielsweise bei sprachlichen oder künstlerischen Fächern der Fall. Viele Jungen schrecken vor der Teilhabe an solchen Fächern zurück, aus Angst nicht ernst genommen zu werden. In beiden Fällen geht leider viel menschliches Potenzial in den jeweiligen Fächern verloren. Durch die Förderung individueller Interessen und Fähigkeiten anstelle von geschlechtsspezifischer Selektion können wir sexistische Denkweisen, die im späteren Erwachsenenleben die Grundlage für viele Diskriminierungen bilden, abschwächen. Deswegen müssen Lehrkräfte für diese Problematik in ihrer Ausbildung und in Fortbildungen sensibilisiert und verwendete Lehrmaterialien sexismusfrei werden.

 

Beschulung von Geflüchteten in Regelschulen

Die Inklusion von geflüchteten Kindern kann nur gelingen, wenn sie von Anfang an in Regelschulen individuell gefördert werden und zusätzlichen Deutschunterricht erhalten, statt abseits der anderen Schüler*innen beschult zu werden. Dafür muss das Land die notwendigen Mittel bereitstellen. Leider kommt es nämlich immer noch der vor, dass die Beschulung in Asylbewerber*innenunterkünften oder in gesonderten Klassen stattfindet
Wir begrüßen, dass bereits rund 3000 Lehrer*innenstellen in NRW geschaffen wurden.

 

Digitale Schule

Deutschland hat in der Digitalisierung des Bildungswesens versagt. In der ICILS-Studie, die das Computerwissen von Schüler*innen untersucht, belegt Deutschland von 19 untersuchten Ländern den letzten Platz. Länder wie Schweden sind diesem Bereich deutlich fortgeschrittener, dort ist etwa der Einsatz von Computern in fast jeder Unterrichtsstunde normal. Nach diesem Vorbild muss auch NRW die Digitalisierung des Bildungssystems einleiten.
Wir fordern ein Investitionsprogramm des Landes für eine bessere Ausstattung der Schulen mit Computern und IT-Systemen.
Um das digitale Potential voll ausnutzen zu können, brauchen Lehrer*innen Fortbildungen. Darüber hinaus brauchen wir ein Konzept zur Förderung von FIT*-Personen (13) für IT-Berufe. Individuelle Förderungen wie “Jugend hackt“ und andere Konzepte, die zum Beispiel die Frauenförderung in diesem Bereich stärken, begrüßen wir explizit.

 

Vielfältiger Unterricht an der Schule!

Für uns ist es wichtig, Lernen wieder stärker als Selbstzweck zu betrachten und Bildung nicht nur an ihrem Mehrwert für die Wirtschaft zu orientieren. Deswegen setzen wir uns dafür ein, dass Schüler*innen durch Schulkooperationen die Möglichkeit gegeben wird, möglichst viele Fächer zu belegen. Außerdem wollen wir das Angebot um praxisnahe Fächer ausweiten. Schüler*innen sollen die Möglichkeit haben, mit anwendbaren Alltagskenntnissen aus der Schule zu gehen. Wir fordern deswegen ein Fach einzuführen, in dem Allgemeinwissen zum Umgang mit Ernährung, Steuern usw. gelehrt wird. Außerdem wollen wir in allen Jahrgängen politische Bildung als Unterricht mit einem durchdachten pädagogischen Konzept anbieten. Darin soll besonders auf die politischen Partizipationsmöglichkeiten abseits von Wahlen für Jugendliche eingegangen werden, statt nur theoretisches Systemwissen zu vermitteln.

 

Stressfrei und mit Ganztag durch die Schulzeit

“Die Schule beginnt zu früh.“ Das ist nicht nur das subjektive Gefühl vieler Schüler*innen, sondern auch durch wissenschaftliche Studien belegt. So wurde nachgewiesen, dass ein späterer Schulbeginn sich positiv auf die Lernergebnisse auswirkt. Deshalb fordern wir einen landesweit vorgeschriebenen späteren Schulbeginn und eine Schulkernzeit von 10 bis 16 Uhr.

 

Konsequenten Ganztag schaffen

Wir wollen Schulen zu einem Ort ausgestalten, der nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch des Lebens ist. Eine Schule, die einseitig auf die Vermittlung theoretischer Kenntnisse setzt, lehnen wir ab. Schüler*innen sollten die Gelegenheit haben sich nicht nur theoretisch zu bilden, sondern ebenfalls Zugang zu praxisorientierten Angeboten haben. Deswegen wollen wir die verpflichtende Kernzeit der Schule in einen konsequenten Ganztag einbetten. Im Rahmen dieses Ganztages soll es eine pädagogische Betreuung und Sport- und Kulturangebote für alle Schüler*innen geben.
Damit erhalten Schüler*innen unabhängig von ihrem Elternhaus die Möglichkeit, sich individuell zu entfalten, z.B. indem sie Instrumente erlernen, sich sportlich betätigen, handwerklich oder kreativ-künstlerisch tätig werden. Dabei soll Schüler*innen auch die Möglichkeit gegeben werden, eigene Angebote zu schaffen statt sich an starren Auswahlvorgaben zu orientieren.
Darüber hinaus soll es aber auch die Möglichkeit geben, eine Ganztag-Betreuung außerhalb der Kernzeit wahrzunehmen. Alle Schulen in NRW sollen eine freiwillige Ganztagsbetreuung von 7-20 Uhr anbieten und so Betreuungsangebote für Erziehende schaffen.
Im Rahmen dessen wollen wir Schüler*innen eine gute Ernährung zur Verfügung stellen. Deswegen sollen alle Schulen in NRW ein solidarisch bezahlbares Bio-Mittagessen anbieten. Hierbei müssen verschiedene Ernährungswünsche wie vegetarisch, vegan, koscher oder halal berücksichtigt werden.

 

Mehr Wahlfreiheit statt strikte Lehrpläne

Um sicherzustellen, dass alle Schüler*innen eine umfassende Allgemeinbildung erhalten, sollte es weiterhin erst in der Oberstufe möglich sein, Fächer hinzu- oder abzuwählen. Zu früherem Zeitpunkt kann die Wahlfreiheit dadurch erweitert werden, dass mehr Wahlpflichtfächer angeboten werden. Darüber hinaus kann es beispielsweise auch Vertiefungsmöglichkeiten für die Kernfächer geben, um eine Schwerpunktsetzung zu ermöglichen. Kleine Schulen sehen sich sonst mit dem Problem konfrontiert, nicht alle Fächer für jede Jahrgangsstufe anbieten zu können.

 

Freistellung für außerschulische Aktivitäten

Viele Schüler*innen gehen Aktivitäten außerhalb der Schule nach, beispielsweise einem Ehrenamt. Dafür sollen sie auf Wunsch von den Nachmittagsangeboten im Ganztag befreit werden können.

 

Schulfrei für Bundeswehranwerbende

Bis heute werden immer wieder sogenannte Jugendoffiziere an Schulen eingeladen, um über die Arbeit der Bundeswehr zu berichten und hierbei auch ganz gezielt Werbung für eine Karriere bei der Bundeswehr zu machen. In vielen Bundesländern gibt es einen Kooperationsvertrag zwischen Bundeswehr und Landesregierung, darunter auch in Ländern mit Regierungsbeteiligung der Grünen wie Hessen oder Baden-Württemberg. Aber auch in NRW ist es Schulen teils möglich Vertreter*innen der Bundeswehr einzuladen. Diese Art der Kriegswerbung muss verboten werden.

 

Schule in tatsächlicher Freiheit

In den meisten Städten gibt es ein breites Angebot öffentlicher Schulen, die vielen Kindern und Jugendlichen Zugang zu Bildung ermöglichen. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Privatschulen in nichtstaatlicher Trägerschaft, die Zugang primär für die Kinder bieten, deren Eltern bereit und in der Lage sind, für ein Schulgeld aufzukommen. Die GRÜNE JUGEND NRW steht privatrechtlicher Organisation von Schulen skeptisch gegenüber und setzt sich dafür ein, dass Schulen in solcher Trägerschaft nicht in den Genuss staatlicher Förderung kommen. Es ist die Aufgabe des Landes, die Finanzierung öffentlicher Schulen sicherzustellen, von denen alle Kinder und Jugendlichen profitieren können. Die Finanzierung von Schulen, die nur wenige Eltern für ihre Kinder bezahlen können, verstärkt eine bereits bestehende sozioökonomische Selektion im Bildungsbereich, die wir bekämpfen wollen. Die häufig vorgeschobene Stipendienvergabe für private Schulen ist dabei nur ein Tropfen auf den heißen Stein und ändert kaum etwas an der sozioökonomischen Selektion. Die Förderung von nichtstaatlichen Schulen wäre aufgrund des vielerorts eklatanten Sanierungsstaus und schlechter Betreuungsverhältnisse an staatlichen Schulen eine falsche Prioritätensetzung
Wir sehen aber, dass viele Schulkonzepte in die privatrechtliche Trägerschaft gedrängt werden, weil sie nicht vollständig staatlich gefördert werden. Die Ansätze von alternativen Lehrmethoden, kleineren Klassen und individueller Förderung jedes einzelnen Kindes sollte auch in staatlichen Schulen eingeführt werden. Diese pädagogischen Ansätze sollen allen Schüler*innen zugänglich gemacht werden. Schulen in freier Trägerschaft werden so überflüssig. Wir wollen sie daher perspektivisch abschaffen.
Schulsozialarbeit für alle Schulen

Für uns ist klar: Die Mehraufgaben der Schule können nicht allein durch Lehrer*innen geleistet werden. Wir fordern zur Umsetzung unserer schulpolitischen Ziele für jede Schule mindestens eine Landesstelle für Schulsozialarbeit. Diese ist neben der Einzelfallberatung auch für die Organisation von Projekten und die außenunterrichtliche Bildung (mit-)verantwortlich. Die Kommunen dürfen mit den Kosten nicht alleine gelassen werden und daher fordern wir als Ergänzung zu kommunalen Stellen ein Landesprogramm Schulsozialarbeit mit dem Ziel an jeder Schule eine*n Schulsozialarbeiter*in zu beschäftigen. Dies hilft sowohl den Schüler*innen, als auch den Lehrer*innen und Eltern.

 

B2 Hochschule

Bunte Wissenschaft statt ökonomisierter Einheitsbrei

Die mangelhafte Finanzierung der Universitäten und Hochschulen hat zur Folge, dass sich diese immer mehr in Abhängigkeit von Unternehmen und wirtschaftlichen Interessen bringen. Dadurch gerät die Unabhängigkeit und Vielfalt der Forschung in Gefahr. Denn für Universitäten kann es nun plötzlich wirtschaftlich sinnvoll sein, auf das Lehren und Forschen in Bereichen zu verzichten, für die es keine direkten wirtschaftlichen Verwertungsmöglichkeiten gibt. Dies betrifft keinesfalls nur die Geisteswissenschaften, auch theoretische Forschungsschwerpunkte in den sogenannten MINT-Fächern sind dadurch bedroht. Gleichzeitig wissen wir, dass die Forschungslandschaft NRWs durch Drittmittel auch aus der freien Wirtschaft belebt werden kann. Um trotzdem die Unabhängigkeit der Hochschulen von der Wirtschaft zu sichern fordern wir neben dem Ausbau der Grundfinanzierung des Landes eine Transparenzregelung zum Umgang mit Drittmitteln, die Hochschulen schützt.
Eine einseitige Elitenförderung, wie sie beispielsweise durch die Exzellenzinitiative des Bundes erfolgt, die ausgewählte Universitäten fördert, lehnen wir auf Landesebene ab.

 

Mitbestimmung – jetzt aber wirklich!

Das Hochschulzukunftsgesetz der Landesregierung hat die Mitbestimmungsregeln an den Hochschulen stark verändert. Zufrieden können wir damit aber noch nicht sein. So sieht das Gesetz zwar eine Viertelparität in den Entscheidungsgremien der Hochschule vor, aber gleichzeitig so viele Ausnahmen, dass die Viertelparität in NRW nur in einigen wenigen Hochschulen eingeführt wurde. Diese muss in Zukunft konsequent durchgesetzt werden, auch mit einer weiteren Gesetzesänderung. Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiter*innen und Mitarbeiter*innen aus Technik und Verwaltung haben – genau wie die Professor*innen – ein Interesse daran, die Hochschulen weiterzuentwickeln und dürfen nicht weiter ignoriert werden.
Zu einer echten Mitbestimmung an Hochschulen gehört für uns auch, dass die Entscheidungen von demokratisch legitimierten Gremien getroffen werden und nicht von demokratisch nicht legitimierten Hochschulräten. Wir wollen daher Entscheidungskompetenzen vom Hochschulrat zum Senat verlagern, der das höchste Gremium der akademischen Selbstverwaltung darstellt. Die Hochschulräte sollen zu reinen Aufsichtsgremien umgebaut werden.

 

Schluss mit prekärer Arbeit

An der Hochschule zu arbeiten, ist für viele Menschen immer noch ein Risiko, denn die Projektgebundenheit vieler Mittel und die Angst der Verantwortlichen an den Universitäten vor einem Finanzierungsrückgang sorgt dafür, dass Menschen im wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Bereich in der Regel befristet eingestellt werden. Dies darf nicht der Regelfall bleiben und muss unbedingt geändert werden. Menschen mit sogenannten Lehraufträgen an den Hochschulen haben noch prekärere Arbeitsbedingungen: Sie sind häufig schlecht bezahlt, haben weder Arbeitslosen- noch Rentenversicherung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall noch Urlaubsanspruch. Die Möglichkeit, Lehraufträge zu verdienen, sollte ursprünglich dazu genutzt werden, dass Professor*innen oder andere gutverdienende für die Lehre interessante Menschen auch außerhalb ihres eigenen Arbeitsbereichs tätig werden können. De facto werden die Lehraufträge aber dafür genutzt, Menschen in prekärer Beschäftigung wichtige Lehrtätigkeiten übernehmen zu lassen. Statt unverbindlicher Leitlinien oder Vereinbarungen für gute Arbeit braucht NRW endlich einen Wissenschaftstarifvertrag, in den auch studentische Hilfskräfte miteinbezogen werden.

 

Studienbedingungen

Die Umstellung auf das Bachelor-Master-System im Zuge der Bologna-Reformen sollte einen schnelleren Zugang für Studierende zum Arbeitsmarkt und internationale Vergleichbarkeit herstellen. Heute müssen wir sagen, dass all unsere Kritik an dem System bei dessen Einführung berechtigt war und die Bologna-Reform umfassend gescheitert ist. Der Umbau des Studiums nach den Wünschen der Wirtschaft hat zu einer Verschulung des Studiums geführt, sodass Studierende häufig kaum noch befähigt werden wissenschaftlich zu arbeiten, aber auch der direkte Einstieg ins Berufsleben mit einem Bachelor häufig nicht möglich ist – gerade im öffentlichen Dienst. Der Master ist somit zum faktischen Regelstudienabschluss geworden, ohne dass dafür genügend Studienplätze zur Verfügung stehen. Wir fordern die umfassende Entschleunigung der Studiengänge, einen breiteren Fokus in den Studiengängen weg von der wirtschaftlichen Verwertbarkeit und hin zu einer allumfassenden wissenschaftlichen Bildung. Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass jede*r Bachelor-Absolvent*in auf Wunsch sein*ihr Studium im Master fortsetzen kann. Dafür muss es einen Rechtsanspruch geben.

 

Bildungsgerechtigkeit ernst nehmen

Das deutsche Bildungssystem ist selektiv wie kaum ein anderes auf der Welt und setzt sich an den Hochschulen weiter fort. Wir fordern, die Barrieren zum Hochschulzugang ein für alle Mal einzureißen. Durch Numeri Clausi und Studiengebühren werden gerade Abiturient*innen aus einkommensschwachen Haushalten und Bildungsaufsteiger*innen vom Studieren abgehalten. Damit muss Schluss sein. Wir wollen, dass alle Studiengebühren restlos abgeschafft werden, auch solche für Langzeitstudierende. Bildung ist und bleibt keine Ware und die Hochschule ist kein Supermarkt.
Numeri Clausi als Instrument der Studienplatzvergabe lehnen wir ab. Stattdessen wollen wir die Notwendigkeit einer Begrenzung von Studienplätzen durch einen Ausbau von Studienplätzen obsolet machen.
Einen weiteren wichtigen Pfeiler der Bildungsgerechtigkeit sehen wir in der Voraussetzung, das eigene Studium finanzieren zu können. Die GRÜNE JUGEND NRW wird sich auch in Zukunft für ein gerechtes Bafög einsetzen, das alle Studierenden unabhängig von Alter, Leistung oder Semesterzahl die Möglichkeit gibt, ihr Studium grundlegend zu finanzieren.

 

Verantwortung übernehmen und ethisch handeln

Hochschulen bieten mit ihrer Forschung die Grundlage für viele Dinge unseres alltäglichen Lebens – gerade im Fachbereich Medizin, aber auch in anderen Disziplinen wird zur Gewinnung von Erkenntnissen auf Tierversuche zurückgegriffen. Wir lehnen Tierversuche ab und fordern deshalb, Projekte zur Alternativforschung zu fördern. Langfristig sollen dadurch Tierversuch überflüssig gemacht und abgeschafft werden.
Des Weiteren fordern wir eine echte Zivilklausel. Universitäten sollten mit ihrer Forschung nicht dazu beitragen, das Töten von Menschen in Kriegsgebieten weiter zu technologisieren und industrialisieren. Ethikräte, die zum Teil vom Landtag und zum Teil aus den Universitäten benannt werden, sollten über Forschungsprojekte zu sogenannten Dual-Use-Gütern (14) befinden.

 

Hochschulen für Geflüchtete öffnen

Die Willkommenskultur sollte auch an den Hochschulen gelebt werden! Deshalb müssen alle nötigen Schritte unternommen werden, um Geflüchteten den Hochschulzugang zu ermöglichen. Dazu gehören u.a. die großzügige Anerkennung von bisherigen Studienleistungen und kostenlose Kurse zur Vorbereitung auf die DSH-Sprachprüfung (15).
Erst durch den Zugang zu Bildung wird Geflüchteten die Möglichkeit gegeben, selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Hochschulen sind ein geeigneter Ort, an dem Geflüchtete ihre Ideen einbringen können, während gleichzeitig deutsche Studierende davon profitieren.

 

B3 Ausbildung

Berufsausbildungen stärken

Die Berufsausbildung ist ein fester Bestandteil der Wirtschaft, wird also von dieser selbst gesteuert und unterliegt nur geringer staatlicher Kontrolle. Obwohl die zuständigen Kammern auch einen Bildungsauftrag haben, wird dieser oft vernachlässigt. Stattdessen stehen wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund. Die GRÜNE JUGEND NRW fordert deswegen eine stärkere staatliche Kontrolle der Kammern im Bereich der Berufsausbildung. Dabei muss klar sein, dass Bildungsinteressen vor wirtschaftlichen Interessen stehen müssen.

 

Kein Abschluss ohne Anschluss!

Jugendliche unter 18 Jahre, die die Schule ohne eine weiterführende Ausbildung verlassen, sind laut Gesetz verpflichtet, das Berufsgrundschuljahr (BGJ) oder das Berufsorientierungsjahr (BOJ) zu besuchen. In diesen schulischen Angeboten werden junge Menschen in ihrer Berufswahl und im Bewerbungsverfahren unterstützt.
Diese Bildungsgänge haben sich in der Vergangenheit bewährt. Allerdings verlassen die meisten Schüler*innen diese Bildungsgänge ohne weiterführende Qualifikationen, die auf dem Arbeitsmarkt anerkannt werden. Deshalb muss dieses Angebot verbessert und auf den*die jeweilige*n Bewerber*in ausgerichtet werden. Dazu fordert die GRÜNE JUGEND NRW das Landesprogramm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ weiter voranzutreiben.

 

B4 KiTa & frühkindliche Bildung

Gute Kita-Plätze für alle!

Zu einer guten Bildung von Anfang an gehören für uns selbstverständlich auch die Kindertageseinrichtungen. Um dem Rechtsanspruch auf einen KiTa-Platz gerecht zu werden und jedem Kind den Besuch einer KiTa zu ermöglichen, ist für uns eine weitere Ausbauoffensive notwendig. Allein ein quantitativer Ausbau von Plätzen ist nicht ausreichend, vielmehr muss zeitgleich ein qualitativer Ausbau stattfinden. Ein wichtiger Ansatzpunkt hierfür ist eine Verbesserung des Betreuungsverhältnisses durch geringere Gruppengrößen sowie eine verstärkte Sprach- und Sozialförderung in den Kindertagesstätten. Dies ist nur mit einem deutlichen Personalausbau möglich.
Die momentane Regelung der KiTa-Förderung, bei der KiTas in kirchlicher Trägerschaft durch das Land stärker unterstützt werden als solche, die durch öffentliche Jugendhilfen getragen werden, möchten wir überarbeiten. Im Sinne einer konsequenten Trennung von Kirche und Staat sowie angesichts des immer größer werdenden Anteils nicht-religiöser Kinder und Kinder anderer Glaubensrichtungen als des Christentums halten wir diese Prioritätensetzung für falsch.Um Bildung von Anfang an kostenfrei zu gestalten, sollen Kindertageseinrichtungen zukünftig vollständig aus Steuergeldern bezahlt werden.

 

Bessere Vereinbarkeit jetzt!

Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf besteht noch viel Nachholbedarf. Gerade Frauen* (16) leiden oftmals unter einer Doppelbelastung durch Kinder und Arbeit. Damit Eltern ihre Kinder auch während ihrer Arbeitspausen sehen können und um Wege zu verkürzen, setzen wir uns dafür ein, dass KiTas in allen öffentlichen Einrichtungen des Landes geschaffen werden. Wie bei allen anderen KiTa-Ausbauprojekten, müssen auch hier die Arbeitsrealitäten der Eltern akzeptiert werden. Daher fordern wir für alle Angebote eine Ausweitung der Randzeiten des Betreuungsangebotes.
Aber auch für Schichtdienstarbeitende müssen flächendeckende, zuverlässige Betreuungs- und KiTa-Angebote geschafften werden, deshalb fordern wir ein Förderprogramm zum Ausbau eines bedarfsgerechten 24-Stunden-Angebotes.

 

Gesunde Ernährung von Anfang an!

Natürliche Lebensmittel und gutes Essen sollten Menschen von Kindesbeinen an begleiten. Dafür braucht es bereits in der Kita eine vollwertige Ernährung mit kostenfreien und gemeinsamen Mahlzeiten. Kinder können so bereits ans Kochen und die Bedeutung gesunder Ernährung herangeführt werden.
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