Green Peace
Die Grünhelme – Tatkräfitg im Einsatz wie die Blauhelme, aber grün wie die Hoffnung. Christel Neudeck, die Gründerin der Hilfsorganisation, gibt Einblick in ein Leben für den Frieden und verrät, wie man der Welt die Zahnschmerzen nehmen kann.
Seit 1979 ist Christel Neudeck, 65, für den Frieden im Einsatz – in Eigeninitivative. Ihr Mann, Rupert Neudeck, und sie gründeten gemeinsam mit Freunden, darunter Heinrich Böll, das Hilfskommitee „Ein Schiff für Vietnam“. Dank des großen Erfolges wurde daraus bald die Hilfsorganisation „Kommitee Cap Anamur/Deutsche Notärzte e.V.“. Bis 1986 retteten sie mit dem Hospitalschiff „ Cap Anamur“ über 10.000 vietnamesische Flüchtlinge aus dem südchinesischen Meer.
Als 2003 der wohlverdiente Ruhestand anstand, kam ihnen die Idee zu den Grünhelmen. Ein Verein, der sich für das Zusammenleben von ChristInnen und MuslimA einsetzt und dabei mit der Hilfe Freiwilliger Schulen, Hospitäler, Häuser, Werkstätten in der Türkei, Afghanistan, Irak und anderen Ländern aufbaut. Sie nennen sich „Peacecorps“, die John F. Kennedy schon in den 1960ern initiieren wollte.
So schnell lässt sich diese Erfolgsgeschichte grob in Jahren und Zahlen erzählen. Was und wer dahinter steckt, wenn sich jemand fast ein ganzes Leben für den Frieden stark macht, wollte ich herausfinden. Und wo ginge das wohl besser, als im Herzstück der Hilfsorganistationen selbst? Das Wohnzimmer im Troisdorfer Reihenhaus der Neudecks war jahrelang die Zentrale der „Cap Anamur“. Jetzt ist es das Büro der Grünhelme und Bewerbungszimmer für Freiwillige. Ganz zentral aus Troisdorf wird alles geregelt, von Christel Neudeck selbst. „Das habe ich immer als meine Aufgabe gesehen“, sagt sie, „den Verein zusammenzuhalten und hier in Deutschland in die Projekte nach draußen Kontinuität zu schaffen.“
Dennoch blieb im Wohnzimmer auch immer Raum für die Familie Neudeck. Sie erzählt, die jüngste Tochter bestätige bis heute, sie sei auch immer für die Kinder da gewesen. Dank der Hilfsarbeit konnte sie aber auch den ihr verhassten Hausfrauenalltag hinter sich lassen. Seit fast 30 Jahren organisiert sie Hilfsorganisation und Familie vom Wohnzimmer aus. Das klingt nach praktischer Veranlagung.
Praxisorientiert sind auch die Grünhelme, die in dieser Hinsicht besonders geprägt sind durch Christel Neudeck. „Ich hatte nicht so viel Verständnis dafür, dass man sich mit intellektuellen Dingen beschäftigt, die in der Praxis nicht viel bringen.“, gibt sie zu. Deshalb suchen die Grünhelme Leute, die praktische Berufe erlernt haben und handfest anpacken können. Medienwirksamkeit sei dabei für sie immer drittrangig gewesen, sagt Christel Neudeck. Vielleicht ist auch das einer der Gründe, warum man ihrem Gesicht so selten in der Zeitung und auf dem Bildschirm begegnet.
Nach außen präsentiert vor allem Rupert Neudeck die Grünhelme. Ob sie das stört? Die Problematik ist im Hause Neudeck bekannt. „Es ist so, dass ich mir sehr wohl bewusst bin, dass ich an zweiter Stelle sehr gut bin. Da bin ich auch ganz selbstbewusst.“ Sie habe jedoch auch nicht den Mut gehabt, letztendlich die Entscheidung zu treffen, ein Schiff ins chinesische Meer zu schicken, fügt sie ehrlich hinzu. Genauso ehrlich erzählt sie, als Alt-68erin, dass sich ihre rein pazifistische Haltung geändert hat. Der Kosovokrieg, den sie durch die Hilfsorganisation hautnah miterlebte, war für sie ein einschneidendes Erlebnis.
Eindrücklich beschreibt sie „die Hilflosigkeit, mit der man dieser aggressiven Macht gegenüberstand, die keine Skrupel hatte Leute umzubringen.“, und fährt fort, „Da wünscht man sich doch, dass jemand eingreift, der mehr Macht hat, als der humanitäre Helfer.“ Doch für die eigene Friedensarbeit blieb Gewalt ausgeschlossen. Die Mitarbeiter seien besser geschützt, wenn sie keine Waffe trügen. Auch auf militärischen Schutz verzichten sie immer. Der Kontakt mit den Menschen in den Krisengebieten soll nicht gemieden werden. „Wenn man in ein fremdes Land geht, dann muss man sich klarmachen, wohin man geht und in welche Kultur.“
Dieses Einfühlen habe ihr Leben um vieles reicher gemacht. Begeistert beschreibt sie, in wie vielen Dingen uns die Menschen in angeblich unterentwickelten Gebieten voraus seien. Manches habe sie auch übernommen, zum Beispiel, dass das eigene Haus ein offenerer Ort geworden ist. Auch von den Freiwilligen, die nach der Erfahrung im Ausland oft verstünden, wie wenig zum Leben nötig ist, berichtet sie gerne. Ist es vielleicht dieser kulturelle Reichtum der Optimismus am Leben hält, den man für so viele Jahre Friedensarbeit braucht? Christel Neudeck bleibt bescheiden: „Früher habe ich gedacht, ich kann die Welt verändern. Heute bin ich froh, wenn mir jemand die Zahnschmerzen nimmt. Und ich nehm sie diesen Menschen, die echten und im übertragenen Sinne.“
Man muss keine Zahnschmerzen haben, um zu verstehen, wie wichtig solche grünbehelmten Zahnärzte sind. jo
:> www.gruenhelme.de


