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Das war's

In Münster wurde der kompletten Lokalredaktion der Münsterschen Zeitung der Stuhl vor die Tür gestellt. Billigjournalismus statt vierter Gewalt prägt die traditionelle Zeitungslandschaft.


Etwas Ungeheuerliches tat sich am 19. Januar 2007 in Münster: Die Stadt, die nicht unbedingt für ihren Innovationsgeist bekannt ist, sondern eher durch Tradition und Beschaulichkeit besticht, wurde zum Schauplatz einer noch nie da gewesenen Entlassungsaktion.


Verleger setzt Redaktion vor die Tür


An jenem Tag teilte der Verlagsgeschäftsführer Lutz Schumacher der 19-köpfigen Lokalredaktion der Münsterschen Zeitung mit, dass sie ab heute nicht mehr gebraucht würde. Lapidar erklärte er in einem 10-minütigen Gespräch, dass das Unternehmen, bei dem sie beschäftigt waren, nun keinen Produktionsauftrag mehr habe. Mit der Erstellung des Lokalteiles hatte das Medienhaus Lensing-Wollf, zu dem die Münstersche Zeitung gehört und deren Sitz in Dortmund ist, heimlich, still und leise eine neue Gesellschaft beauftragt. Diese neue Lokalredaktion hatte nicht nur bereits hinter dem Rücken der alten Redaktion „geübt“ und war demnach sofort einsatzfähig, sie kostet den findigen Verleger auch deutlich weniger, denn nach Tarif wird in Münster niemand mehr bezahlt. Den ausgebooteten Alt-Redakteuren wurde noch mitgeteilt, sie könnten sich ja bei der neuen Gesellschaft bewerben und dann war es auch schon geschehen.


Innerhalb von zehn Minuten hatte sich in Münster ein Skandal zugetragen, der in der Bundesrepublik seines Gleichen sucht – und hoffentlich nicht so schnell finden wird. Noch nie war auf diese Art und Weise eine komplette Redaktion einfach vor die Tür gesetzt worden. Dementsprechend fand das Vorgehen von MZ-Verleger Lensing-Wolff ein bundesweites Medienecho. Und besonders durch Münster brauste ein Sturm der Entrüstung. Erboste Abonnenten kündigten gleich reihenweise ihre Abos und bekundeten so Solidarität mit den gefeuerten Redakteuren. Helfen wird es den ehemaligen Mitarbeitern wohl leider nicht.


Verlautbarungsjournalismus


Und nicht nur in Münster ist ein unguter Trend in der Medienwelt zu beobachten. Die Historikerin Ute Daniel nennt die Entwicklung der zeitgenössischen Medienlandschaft gern den „Verlautbarungsjournalismus“. In die Zeitung kommt, was irgendwie den Weg in die Redaktionen gefunden hat. Im Zeitalter des medialen „höher, schneller, weiter“ bleibt kaum noch Zeit selbst auf die Jagd nach Neuigkeiten zu gehen. In modernen „Newsdesks“ sind Redakteure damit beschäftigt zahllose Tickermeldungen und Pressemitteilungen für die Leserschaft aufzubereiten. Einmal für die tägliche Ausgabe, dann aber natürlich auch für den Internetmarkt, der in einem noch höheren Maße von seiner (vermeintlichen) Aktualität abhängt.


Aber nicht nur die Information kommt nicht immer ganz zu ihrem Recht, auch die Zeitungsmacher selbst sind Opfer dieser Entwicklung. Viele junge Menschen, die den Weg in die Medienbranchen gehen wollen, sind bereit unter Tarif zu arbeiten, wenn sie dadurch einen Fuß in die Tür bekommen. Davon profitiert in erster Linie der Verleger, die ihre Redaktionen längst in billige Tochtergesellschaften ausgelagert haben, von denen sie sich die Redakteure kostengünstig ausleihen.“


Zeitung wird hier zum möglichst billigen Produkt degradiert. Dabei sollten gerade sie sich in erster Linie der Qualität verschreiben und Nachrichten nicht einzig und allein zum Spielball materieller Interessen verkommen lassen. Was bleibt, ist die Hoffnung auf die zahllosen Blogs, die sich auch weiterhin der kritischen Auseinandersetzung mit Gesellschaft und Politik verschrieben haben.  finso