Präambel

Das Frauenstatut ist Bestandteil der Satzung der GRÜNEN JUGEND NRW und richtet sich
nach ihren Leitbildern, insbesondere der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern.
Es tritt am Tag seiner Beschlussfassung in Kraft.
Ein wesentliches Ziel der GRÜNEN JUGEND ist die Verwirklichung der Rechte und Interessen
von Frauen. Doch hier gibt es eine große Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Im Gegensatz zu anderen politischen Jugendorganisationen hat die GRÜNE JUGEND zwar
einen relativ hohen Anteil an weiblichen Mitgliedern, doch auch wir erreichen unser Ziel
nicht, dass sich Frauen und Männer zu gleichen Teilen an der Arbeit des Verbandes
beteiligen sowie Positionen und Gremien paritätisch besetzt werden. Bemerkbar macht sich
dieses z.B. bei den überwiegend männlichen Kandidat*innen für Gremien und Positionen
sowie einer männlichen Debattenkultur auf Landesmitgliederversammlungen und anderen
Veranstaltungen.
Mit dem Frauenstatut werden konkrete Maßnahmen bestimmt, welche die Position von
Frauen bei der GRÜNEN JUGEND NRW stärken. Es reicht als Ansatz allein nichts aus, da es
die Probleme zunächst nur auf einer organisatorischen, formalen Ebene angeht. Die im
Statut enthaltenen Maßnahmen sind nicht unser Ziel, sondern nur ein Weg, die Interessen
von Frauen zu verwirklichen. Unsere Zielsetzung ist es weitere Veränderungen
voranzutreiben.

§ 1 Mindestquotierung

Alle gewählten Gremien, gleichberechtigten Ämter und Delegiertenplätze der GRÜNEN
JUGEND NRW sind mindestens zur Hälfte mit Frauen zu besetzen. Steht nur ein
ordentlicher Platz zur Wahl, ist dieser mit einer Frau zu besetzen. Der Ersatzplatz ist auch für Männer offen. Öffnet die Frauenversammlung den ordentlichen Platz auch für Männer und wird ein Mann gewählt, dürfen auf dem Ersatzplatz nur Frauen kandidieren, es sei denn die Frauenversammlung öffnet auch diesen Platz.

§ 2 Frauenversammlung

Sollte keine Frau für einen Frauen zustehenden Platz kandidieren bzw. gewählt werden,
entscheiden die Frauen der Wahlversammlung auf Antrag einer stimmberechtigten Frau
über das weitere Verfahren. Die Frauenversammlung entscheidet, ob dieser Platz für
männliche Kandidaten geöffnet werden soll. Wird die Öffnung des Platzes abgelehnt, bleibt
der Platz unbesetzt. Sind keine stimmberechtigten Frauen anwesend, können Frauen
zustehende Plätze nicht geöffnet werden. Diese Plätze bleiben unbesetzt. Die
Frauenversammlung findet unter Ausschluss der Männer statt.

§ 3 Vetorecht

Bei Anträgen, die formal oder inhaltlich das Selbstbestimmungsrecht von Frauen berühren
oder von denen Frauen besonders betroffen sind, haben die Frauen die Möglichkeit vor der
Abstimmung der Versammlung eine gesonderte Abstimmung nur unter den Frauen
durchzuführen. Sollten die beiden Abstimmungsergebnisse voneinander abweichen, haben
die Frauen ein Vetorecht mit aufschiebender Wirkung. Der Antrag kann erst bei der
nächsten Versammlung wieder eingebracht werden.

§ 4 Redelisten

Die Präsidien des Basisrates und der Landesmitgliederversammlungen sind mindestens zur
Hälfte mit Frauen zu besetzen. Die Diskussionsleitung wird abwechselnd übernommen. Das
Präsidium hat bei der Diskussionsleitung ein Verfahren zu wählen, welches das Recht von
Frauen auf die Hälfte der Redezeit gewährleistet. Auch bei allen anderen Veranstaltungen
der GRÜNEN JUGEND NRW soll diese Regelung gelten.

§ 5 Unterstützung von Wissenschaftlerinnen

Die politische Bildungsarbeit ist eine wichtige Aufgabe der GRÜNEN JUGEND NRW. Bei der
Organisation und Planung von Seminaren ist darauf zu achten, mindestens so viele
weibliche wie männliche Referent*innen einzuladen. Gleiches gilt für die Besetzung von
Podiumsdiskussionen und Diskussionsveranstaltungen.

§ 6 Einstellungspraxis

Die Stellen der GRÜNEN JUGEND NRW sowie Praktikant*innenplätze sollen nach Möglichkeit
paritätisch vergeben werden. Bei gleicher Qualifikation sind Frauen einzustellen.

§ 7 Frauenforum

Der Landesvorstand der GRÜNEN JUGEND NRW wird dazu aufgerufen einmal jährlich ein
Treffen für alle weiblichen Mitglieder zu organisieren und die dafür notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen. Das Forum ist für alle Frauen öffentlich und soll zur Vernetzung unter den Frauen sowie Vertiefung von frauenpolitischen Themen dienen.

§ 8 Politische Weiterbildung

Die politische Weiterbildung von Männern und Frauen besitzt bei der Grünen Jugend NRW
einen hohen Stellenwert. Aus diesem Grund ist darauf zu achten, dass bei Seminaren und
Veranstaltungen mindestens die Hälfte der Teilnehmer*innenplätze weiblich besetzt ist,
sofern genügend Anmeldungen von Frauen vorliegen. Falls ein Auswahlverfahren notwendig
ist, werden Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt.

Beschlossen auf der LMV Mönchengladbach 2007; zuletzt geändert am 14. Juli auf der Sommer-LMV 2012.