15. April 2007

Bantam - Der Zwergenaufstand gegen die Gen-Multis

Mit Eigenanbau gegen Gen-Mais

2006 beteiligten sich 50 000 Menschen an der Bantam-Aktion. 2007 sollen es noch mehr werden. In Deutschlands Gärten soll auch dieses Jahr wieder gentechnikfreier Gemüse-Mais angebaut werden. Denn wo der wächst, darf kein Gentechnik- Mais wachsen. Eine Aktion mit richtig gutem Geschmack


Bantam in Aktion


«Golden Bantam» ist eine über hundert Jahre alte, samenfeste Süßmaissorte aus den USA. Aus der Ernte kann also über Jahre hinweg stabil neues Saatgut gewonnen werden. Das geht bei handelsüblichen Hybridsorten, die aus verschiedenen Inzuchtlinien zusammengesetzt sind, nicht mehr. Die Firma Monsanto will zukünftig die Futter- und Energiemaisfelder in Deutschland mit dem Gentechnik-Konstrukt «MON 810» erobern, das Raupen und Insekten tötet. Das könnte bei intensivem Maisanbau den Profit maximieren. Noch fristet Gentechnik in der Landwirtschaft in Deutschland ein Schattendasein. Hauptgrund: Die im Gentechnik-Gesetz verankerten Haftungsregeln lassen vielen Landwirten den Anbau von Gentech-Pflanzen als zu riskant erscheinen. Doch das soll sich jetzt ändern: Wenn es nach den Plänen der Großen Koalition ginge, sollen Gentechnik-Landwirte nur noch dann haften, wenn die Pollen ihrer genmanipulierten Pflanzen Nachbarfelder um mehr als 0,9 Prozent verunreinigen.


Wer auch in Zukunft Gemüse ohne gentechnische Verunreinigungen genießen möchte, hat auch dieses Jahr wieder die Möglichkeit, aktiv und friedlich Widerstand zu leisten: Zuerst bestellt Ihr auf www.bantam-mais.de Samen und pflanzt diese im eigenen Garten an. Nach geltendem Recht müssen alle Gentechnik-Standorte veröffentlicht werden. Wer im Umkreis von 500 bis 100 Metern selbst Mais anbaut, hat rechtlich ein «berechtigtes Interesse» daran, den genauen Standort und AnbauerIn zu erfahren. Gentechnik-LandwirtInnen müssen vermeiden, dass ihre Maispollen andere Bestände gentechnisch verändern, ganz besonders das Saatgut. Bestehende Anbauformen sind zu schützen und wo samenfester Gemüsemais angebaut wird, muss dies respektiert werden.


Bantam macht es Gentechnik-Bauern unbequem und bringt uns leckeren Mais in den Garten. Wer keinen Mais mag oder keinen Garten hat, kann auf der Homepage auch alternativ eine Beschwerde- Postkarte an Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer schicken. Dort sind auch ein genauer Ablaufplan der Aktion und Anleitungen zum Maisanbau zu finden. Unterstützt wird Bantam von verschiedensten Organisationen oder Betrieben wie Greenpeace oder Bioland. Macht auch Ihr Euren Garten zur gentechnikfreien Zone!


Was ist Gentechnik überhaupt?


Gentechnik bezeichnet die gezielte Veränderung von DNA-Sequenzen. In der Landwirtschaft - der grünen Gentechnik - werden Nutzpflanzen gentechnisch «optimiert». Insbesondere erforscht die Gentechnik die Methoden zur Isolierung von Genen und zur Herstellung neu kombinierter DNA, vor allem auch über Art-Grenzen hinweg. Dies ist möglich, weil alle Lebewesen denselben genetischen Code benutzen. Genauer beschäftigt sich die Gentechnik mit der In-vitro-Verknüpfung von Nukleinsäure-Molekülen zu neuen, vermehrbaren Molekülen, der Einführung solcher Moleküle in einen Empfängerorganismus und der Vermehrung der neu kombinierten Moleküle in diesem Organismus. Meistens wird zunächst die DNA eines Spenderorganismus isoliert und in Fragmente brauchbarer Größe zerlegt. Weiterhin muss ein geeigneter Vektor (ein Transportvehikel zur Übertragung der Spender-DNA in eine Wirtszelle) isoliert und aufgeschnitten werden. In einem dritten Schritt wird die Vektor-DNA mit der fragmentarischen Spender-DNA zusammen gebracht und dafür gesorgt, dass ein Fragment der Spender-DNA vom Vektor aufgenommen wird. Danach wird die im Vektor neu kombiniert vorliegende DNA in die Zellen eines geeigneten Empfängerorganismus übertragen und vermehrt die Zellen mit der gewünschten neuen genetischen Information. Neue Entwicklungen ermöglichen das Einpflanzen von Fremd-Genen an vorherbestimmten Orten im Genom; dadurch werden die Produktionseigenschaften der modifizierten Zelle vorhersagbar (RMCE). Wenn all dies gelungen ist, stellen die Zellen des Empfängerorganismus zum Beispiel ein vom Menschen gewünschtes Genprodukt her - etwa ein Protein - das in gereinigtem Zustand vermarktet werden kann. Solcherart genetisch modifizierte Organismen werden transgene Organismen oder gentechnisch veränderte Organismen (GVO) genannt, zum Beispiel transgener Mais.


Als Vektoren werden oft Plasmide aus Bakterienzellen verwendet. Bei den Plasmiden handelt es sich um kleine, ringförmige DNA-Moleküle, die eine Schnittstelle für ein Restriktionsenzym besitzen, das den Plasmidring öffnet und dadurch für die Aufnahme von Fremd-DNA empfänglich macht. Mit Hilfe von Ligasen wird die Fremd- DNA im Plasmid fest verankert. Nach dieser Manipulation muss das veränderte Plasmid noch zur Vermehrung in eine Bakterienzelle eingeschleust werden. Mit Hilfe bestimmter Chemikalien lassen sich Zellwand und Membran des Bakteriums für die Aufnahme des Plasmids durchlässiger machen. Alternativ kann die Fremd- DNA auch durch ein modifiziertes Virus, das zur eigenen DNA auch die Spender- DNA und die DNA eines Plasmids trägt, in die Zelle des Empfängerorganismus gelangen. 


Etliche Produkte, die für den Menschen interessant sind (zum Beispiel Insulin, Vitamine), werden von der Industrie mit Hilfe genmanipulierter Bakterien hergestellt. Für den medizinischen Bereich werden heute schon viele Medikamente gentechnisch produziert. Für die Landwirtschaft verspricht die Gentechnik, Pflanzen von perfekter Qualität zu erschaffen - Insekten- und Virusresistente Pflanzen mit hohem Nährwertanteil und Pflanzen, die weniger Mühe machen und dennoch hohe Erträge garantieren.


Und warum ist die Grüne Jugend dagegen?


Gefährliche ökologische Folgen


Eine entscheidende Schwäche der Gentechnik ist die so genannte Kontaminationsgefahr. Wind oder Insekten tragen die Pollen von genmanipulierten Pflanzen zu vorher gentechnikfreien Kultur- und Wildpflanzen. Damit können sie auch ihre genmanipulierten Eigenschaften übertragen. Wenn diese Kontamination bei Wildpflanzen geschieht oder wenn die genmanipulierten Erbinformationen ins Saatgut gelangen, ist die weitere Ausbreitung dieser Erbinformationen nicht mehr zu kontrollieren oder wieder gut zu machen. Auch das Wissen über die ökologische Wechselwirkung von gentechnisch veränderten Pflanzen ist sehr gering. Niemand weiß, welche Wirkung der Gentechnikanbau auf den Boden oder etwa auf andere Pflanzen und Tiere haben wird. Unbeantwortet ist bisher auch die Frage, wie weit sich Genmais mit anderen Pflanzen kreuzen würde.


Nachteile für VerbraucherInnen


Die VerbraucherInnen verlieren die Freiheit, zwischen Lebensmitteln mit und ohne Gentechnik wählen zu können, wenn gentechnisch verändertes Erbgut die Ernte von gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirten belastet. Die Kontamination ist häufig nur schwer und mit aufwendigen Analysemethoden nachzuweisen.  Die Auswirkungen des Verzehrs von gentechnisch veränderten Pflanzen auf unsere Gesundheit sind nicht ausreichend erforscht. Die gesundheitlichen Folgen neuer Stoffe treten häufig erst nach Jahren in Erscheinung - wie das Beispiel Asbest gezeigt hat - und lassen sich nur über Langzeitstudien ermitteln. Statt diese durchzuführen, lassen die Gentechnik-Konzerne Millionen Menschen ihre Produkte konsumieren, die damit zu Probanden werden.


Genmais nur für Genmultis


Der Anbau von Gentech-Pflanzen lohnt sich für Kleinbauern kaum. Das Saatgut ist für sie nur teuer, erfordert den Einsatz dafür konzipierter Pestizide und darf nicht weiter vermehrt werden. Die Landwirte verschulden sich für den Erwerb des Saatguts, ohne dass dieses häufig hält, was es verspricht.


Niemand braucht Gentechnik


Schon lange bevor es Gentechnik gab, wuchs auf unsern Feldern Mais, der nichts zu beanstanden ließ. Die herkömmlichen Verfahren zur Beeinflussung der Eigenschaften von Nutzpflanzen durch Züchtung haben in den letzten Jahrzehnten zu großen Fortschritten geführt und sind völlig ausreichend.


Deshalb spricht sich die Grüne Jugend entschieden gegen Gentechnik aus.  In jedem Korn steckt ein Kolben - Packen wir es an!

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