14. Februar 2007

Verhalten ändern, bevor es zu spät ist

Der Klimawandel ist nicht mehr zu stoppen: Was uns in Zukunft erwartet

Verhalten ändern, bevor es zu spät ist

Sommer 2100:  Es war nur ein winziger Fehler in der Planung. Doch als er entdeckt wurde, jagten schon die ersten Stürme über die Erde, Flüsse waren ausgetrocknet und viele Orte unbewohnbar. Angst hatte niemand. Schließlich machte der Mensch das Klima mittlerweile selber, was sollte also schon passieren?

Gudrun Pausewang

 

Wir Menschen fühlen uns oft zu sicher, was das Klima angeht. Doch der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten. Unser Verhalten gegenüber der Umwelt muss sich heute ändern, bevor es zu spät ist!

 

Allgemeines zur globalen Erwärmung

 

Als globale Erwärmung bezeichnet man den während der vergangen Jahrzehnte beobachteten Anstieg der Durchschnittstemperatur der Atmosphäre. Ihre Ursachen liegen hauptsächlich im Verbrennen fossiler Brennstoffe und in den daraus resultierenden Emissionen von Kohlenstoffdioxid (CO2), sowie weiterer so genannter Treibhausgase.  Die Bezeichnung globale Erwärmung wird oft gleichbedeutend mit dem allgemeineren Begriff Klimawandel verwendet. Der Klimawandel ist jedoch ein über lange Zeit beobachteter, natürlicher Prozess - im Gegensatz zur globalen Erwärmung - die zum größten Teil durch den Menschen verursacht wurde.

 

Kurze Klimageschichte 

 

Im Jahr 1824 entdeckte der Physiker Jean Baptiste Joseph Fourier (1768-1830) den Treibhauseffekt. Über 70 Jahre später, im Jahr 1869, veröffentlichte der schwedische Wissenschaftler Svante Arrhenius (1859-1927) seine Theorie, dass die Anreicherung von CO2 in der Atmosphäre die Temperatur auf der Erde erhöhen könnte. Seinen Forschungen zufolge, würden  sich solche Veränderungen jedoch auf zehntausende Jahre erstrecken. Allerdings konnte er nicht ahnen, dass der CO2-Ausstoß in den Folgejahren sehr stark anwachsen sollte. In den 1930er Jahren bemerkten einige US- Amerikaner, dass sich Temperaturen in ihrer Region erhöht hatten. Bis auf vereinzelte Stimmen wurde es für ein natürliches Phänomen  gehalten.

 

1958 begann der amerikanische Wissenschaftler Charles Keeling (1928- 2005) auf einem Berg in Hawaii regelmäßig den CO2- Gehalt in der Atmosphäre zu messen.  Sein Ergebnis war eindeutig: Trotz Schwankungen wurde bald klar, dass der Gesamtanteil des Treibhausgases in der Atmosphäre kontinuierlich anstieg.

 

Der Treibhauseffekt

 

Der Begriff "Treibhaus-Effekt" beschreibt bestimmte Vorgänge in unserer Atmosphäre, die denen in einem Treibhaus ähnlich sind und zu einer Erwärmung führen: Energie dringt in Form von Licht in das Treibhaus, wird dort in Wärme umgewandelt und erhitzt die Luft im Innenraum. Dies ist zunächst einmal nichts Schlechtes, doch kommt es sehr darauf an, wie stark dieser Effekt ist.

 

 

Die Vorgänge in unserer Atmosphäre kann man sich so vorstellen: Vom kurzwelligen Sonnenlicht kommt nicht alles auf der Erde an. Ein Teil wird von den Wolken reflektiert, also ins Weltall zurückgeschickt. Ein anderer Teil wird von der Atmosphäre absorbiert, also "aufgenommen". Etwa die Hälfte der Sonnenstrahlung gelangt auf die Erdoberfläche. Hier wird ebenfalls ein Teil der Strahlung absorbiert und ein anderer Teil reflektiert, also zurück in die Atmosphäre abgegeben. Es ist allerdings eine grundsätzlich andere Strahlung als die, die wir von der Sonne erhalten. Es handelt sich um langwellige Infrarotstrahlung, auch Wärmestrahlung genannt.

 

Bestimmte Stoffe in der Atmosphäre, die Treibhausgase , wie zum Beispiel Kohlendioxid (CO2), Wasserdampf (H2O), Methan (CH4), sowie flourierte Verbindungen wie FCKW und FKW, haben die Eigenschaft, den größten Teil dieser Wärmestrahlung zu absorbieren, d.h. die Wärmestrahlen können nicht weiter in den Weltraum entweichen. Dadurch wird die Atmosphäre aufgewärmt. Und auch die Atmosphäre gibt wieder Wärmestrahlung ab und erwärmt die Erde zusätzlich. Außerdem hat FCKW, welches z.B. noch in vielen Staaten in Kühlschränken vorhanden ist, die Eigenschaft, die Ozonschicht (O3 ) unserer Atmosphäre zu zerstören. Diese Ozonschicht ist jedoch lebensnotwendig, um schädliche UV-Strahlung zurück ins Weltall zu reflektieren.

 

Seit der Industriellen Revolution, also vor rund 150 Jahren, verstärkt der Mensch den natürlichen Treibhauseffekt durch die Freisetzung klimaschädlicher Treibhausgase.

 

Zukünftige Erwärmung

 

Abhängig von den Zuwachsraten aller Treibhausgase wird damit gerechnet, dass sich die globale Durchschnittstemperatur bis 2100 um 1,4 bis 5,8 °C erhöht. Bei einer Verdoppelung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre geht die Klimaforschung davon aus, dass die Erhöhung der Erdtemperatur und damit die Klimaintensivität mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit innerhalb von 1,5 - 4,5 °C liegen wird. Wissenschaftler rechnen damit, dass der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre sich von den derzeitigen etwa 380 ppm bis 2100 auf etwa 550 ppm erhöht, wenn nicht gegengesteuert wird. Dies ist allein der von der Menschheit bewirkte anthropogene Zuwachs.

 

Das Treibhaus Erde wird dann um etwa 5,8°C wärmer, ein Resultat am oberen Ende der vorliegenden Abschätzungen. Dieses Ergebnis ist aber nach Meinung dieser Experten nur ein Teil der Wahrheit. Sie machen darauf aufmerksam, dass die erhöhte Temperatur selbst wieder ökologische und chemische Prozesse anstößt oder verstärkt, die zu zusätzlicher Freisetzung von Treibhausgasen führen. Sie nennen die bei ansteigender Temperatur erhöhte Freisetzung von Kohlendioxid aus den Weltmeeren und die beschleunigte Verrottung von Biomasse, was zu zusätzlichen Mengen an Methan und Kohlendioxid führt. Damit ergibt sich als Szenarioendwert ein Anstieg der Temperatur der Erdoberfläche um 7,5 bis 8 °C bis 2100, wenn nicht der Ausstoß von Treibhausgasen drastisch reduziert wird!

 

Folgen der Erwärmung

 

Der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten, selbst bei einer drastischen Reduzierung der Treibhausgase. Deshalb müssen wir uns langfristig auch auf die Folgen der Erderwärmung einstellen. Besonders betroffen werden die Menschen in ärmeren Ländern sein, die den geringsten Teil am anthropogenen, also vom Mensch gemachten, Klimawandel haben.

 

  • In Europa würde der Klimawandel den bereits bestehenden Unterschied zwischen dem trockeneren Süden und dem niederschlagsreicheren Norden noch verschärfen. Hitzewellen und gesteigerte Temperaturen hätten in Südeuropa Auswirkungen auf den Tourismus und die Produktivität der Landwirtschaft. Generell würden die Risiken von Überschwemmungen an Küsten und Flüssen zunehmen und die Schneebedingungen sich mit dem Schwund von Gletschern und Permafrostgebieten ändern. Flora- und Faunazonen würden sich in höhere und nördlichere Gebiete verschieben.
  • In Lateinamerika würden durch den Klimawandel Überschwemmungen, Dürren, Sturmfluten, Gletscherschmelzen und Windschäden zunehmen. Abnehmende Wasserqualität, geringere Erträge von Nutzpflanzen sowie die verstärkte Verbreitung von Infektionskrankheiten hätten negative Auswirkungen auf eine Bevölkerung, die ökonomisch diesen Belastungen kaum gewachsen ist. Ein steigender Meeresspiegel würde Ansiedlungen, Infrastruktur und Mangrovenökosysteme massiv gefährden.
  • In Nordamerika hätte der Klimawandel sehr unterschiedliche Auswirkungen: Einige Pflanzenarten würden regional profitieren, die Holzproduktion in gemäßigten Mischwäldern könnte beispielsweise steigen, jedoch wäre langfristig mit sinkenden Wasserpegeln in Seen, der Bedrohung einzigartiger Ökosysteme, dem Ansteigen des Meeresspiegels und mit zahlreichen weiteren Wetterschäden zu rechnen, die in der Regel nicht von Versicherungen abgedeckt sind. Schlechtere Luft und durch Vektoren übertragene Krankheiten würden die Gesundheit der Menschen erheblich belasten.
  • In Afrika fehlen wirtschaftliche und technische Ressourcen, um dem Klimawandel zu begegnen. Die Menschen vertrauen auf durchschnittliche Niederschläge und könnten mit einer weiteren Ausbreitung der Wüste, dem Aussterben von Pflanzen- und Tierarten, stärkeren Überschwemmungen und daraus resultierenden Einbußen bei Getreideerträgen sowie der vermehrten Verbreitung von Krankheitserregern schwer umgehen. Die bereits eingeschränkte Entwicklung des Kontinents würde weiter verringert. Bäuerliche Lebenssicherung (wie Einkünfte aus Tourismus) wären gefährdet.
  • In Asien hätte der Klimawandel besonders in den gemäßigten und tropischen Bereichen negative Auswirkungen mit Überschwemmungen, Dürren, Waldbränden und tropischen Stürmen. Obdachlosigkeit, erhöhter Energiebedarf und Gefährdung der menschlichen Gesundheit, Infrastruktur und Artenvielfalt wären die Folgen, besonders in den unterentwickelten Regionen. Im Norden Asiens könnte dagegen durch höhere Niederschläge die landwirtschaftliche Produktivität erhöht werden. Die Südgrenze der Permafrostzone würde sich in Richtung Pol verschieben.
  • In Australien und Neuseeland könnten sich besonders die Ureinwohner in ihrem Lebensstil nur schwer den Klimaveränderungen anpassen. Trotz kurzfristiger Verbesserungen der Vegetation im Nordwesten des Landes rechnet man auch für Australien und Neuseeland mit langfristigen Wassereinbußen, also verstärkter Austrocknung, mit stärkeren tropischen Stürmen und Überschwemmungen, die Besitz, aber auch Ökosysteme wie Korallenriffe, halbaride Habitate und alpine Gebiete gefährden könnten. Im Osten des Landes ist der Klimawandel bereits jetzt in einer seit fünf Jahren anhaltenden Dürre zu spüren. Zahlreiche Rinderfarmen müssen Insolvenz anmelden, weil es keine grünen Weideflächen mehr für die Tiere gibt.
  • Kleine Inselstaaten wären wahrscheinlich am stärksten durch den Klimawandel betroffen. Ein Ansteigen des Meeresspiegels hätte erhebliche negative Auswirkungen. Eindringen von Salzwasser in die bereits begrenzten Süßwasservorräte, Küstenerosion und Landverlust sowie vermehrte Sturmfluten und Zerstörung küstennaher Ökosysteme wie Korallenriffe. Als Folge wären Einbußen in der bereits eingeschränkten Landwirtschaft und beim Tourismus zu erwarten.
  • In den Polarregionen könnten sich Ureinwohner und natürliche Ökosysteme nur schwer dem dort als besonders stark erwarteten Klimawandelanpassen. Abschmelzen des arktischen Meereises, Auftauen von Permafrostregionen und Erosionen würden die Artenvielfalt verändern. Man erwartet, dass dort ausgelöste Klimaveränderungen auch lange nach der Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration in der Erdatmosphäre nachwirken würden.

 

„In Sachen Umweltschutz sind die meisten Regierungen
kriminelle Vereinigungen“ (Oliver Hassenkamp)

 

Klimaschutz hat sehr viel mit Gerechtigkeit zu tun. Zum einen mit globaler Gerechtigkeit, aber auch die Gerechtigkeit zwischen den Generationen. Verursacht wurde die global Erwärmung von einer reichen Minderheit der Industrienationen. Betroffen aber sind vor allem Entwicklungsländer. Diese Menschen sind viel mehr von Wettereinwirkungen betroffen als jede/r Europäer/in. Aber auch zukünftigen Generationen nehmen wir von vorneherein ihr Recht auf eine intakte Umwelt. Klimaschutz gehört mittlerweile zum guten Ton der PolitikerInnen. Im Prinzip ist jeder dafür, doch wirtschaftliche Interessen sind meistens vorrangig. Diese kurzsichtige Politik ist sehr gefährlich. Schaffen wir es nicht, die Erwärmung auf 2°C zu begrenzen, nützt uns auch unserer Wirtschaft nicht mehr viel.

 

Deshalb wehrt euch gegen die derzeitige Klimapolitik und macht es anderen vor: Spart Energie, ernährt euch bewusster und fahrt Fahrrad!

 


Die Autorin Lara Haasper ist Mitglied im Landesvorstand der Grünen Jugend NRW

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