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31. Januar 2007

Der neue Kolonialismus - Patente auf Pflanzen

In Mexiko werden Bauern verklagt, weil sie eine Maissorte anbauen, die dort bereits seit Jahrhunderten heimisch ist. Nur ist sie nun patentiert.

Der neue Kolonialismus - Patente auf Pflanzen

Stell Dir vor …

 

Du lebst in Mexiko und baust Mais an. So wie all Deine Verwandten auch. So wie Generationen vor Dir es bereits getan haben. Dieselbe Maissorte, die schon Deine Großeltern und auch ihre Großeltern angebaut haben. So wie eigentlich alle in Eurem Dorf.

 

Nur auf einmal ist das ein Verbrechen. Wieso? – Die US-amerikanische Firma DuPont verklagt Dich, weil Du ihre patentierte Maissorte anbaust. Dass diese Maissorte bereits seit Jahrhunderten in Mexiko angebaut wird und sie keineswegs eine Erfindung irgendeines Chemiekonzerns ist, interessiert niemanden.

 

So oder so ähnlich erging es vielen Menschen, nachdem im Jahr 2000 das Patent für eine besonders ölhaltige Maispflanze an den Konzern DuPont vergeben wurde.

 

Moment – wo ist da die Erfindung?

 

Die bloße Analyse des Ölgehaltes in Maiskörnern reichte aus, der Firma DuPont das Patent EP 744 888 zu erteilen. Sie hat damit quasi ein Monopol auf alle Maispflanzen, die einer bestimmten Ölqualität entsprechen.


Gegen dieses Patent legte nun unter anderem die Regierung von Mexiko Einspruch ein, denn schon seit Jahrhunderten wird Mais mit der beschriebenen Ölqualität in Lateinamerika angebaut und gezüchtet.

Leider ist das aber kein Einzelfall: Der Konzern Monsanto analysierte z.B. die Gene bestimmter Sojasorten aus China und beantragte im Jahr 2000 ein Patent auf alle Pflanzen, die diese Gene von Natur aus in sich tragen!

 

Biopiraterie = Neo-Kolonialismus

 

Mehr als 80 Prozent aller bisher patentierten Pflanzen stammen aus Südamerika. Allein im Jahr 2001 erteilte die EPA aber mehr als 2.905 Patente auf Pflanzengene für Konzerne aus Industrieländern.


Zwar liefern die Entwicklungsländer die „Rohstoffe“ aus ihrer Pflanzenwelt, dortige Bäuerinnen und Bauern aber müssen auf patentierte Pflanzen Lizenzgebühren an Konzerne aus Nordamerika oder Europa zahlen.

 

Und in Europa?

 

In Europa gibt es bislang 400 Patente, die ausdrücklich auf gentechnisch manipulierte Pflanzen und Saatgut erteilt wurden. Eine große Anzahl weiterer Patente kommt hinzu, die wie bei den besonders ölhaltigen Maispflanzen dem Wortlaut nach nur bestimmte Verfahren umfassen, die zu einer Patentierung geführt haben. Trotzdem erstreckt sich das Patent auch auf den Anbau und die Züchtung von Nutzpflanzen.

 

Allerdings sind die Firmen längst dazu übergegangen, ebenso Pflanzen ohne gentechnische Manipulation als ihre Erfindung zu deklarieren. Das bedeutet, dass nicht mehr nur genetisch veränderte Samen patentiert werden, sondern dass ebenso ganz normale Pflanzen, die in der freien Natur vorkommen, patentiert werden.

 

Der Trend zur Patentierung von Pflanzen kollidiert mit dem normalen Menschenverstand, zumal er sich als neuste Methode der Industriestaaten auszeichnet, die Entwicklungsländer auszubeuten!


Wo soll das hinführen? Möglicherweise irgendwann zur Patentierung von Tieren?

 


Joanna Fryzowicz, Mitglied im Landesvorstand der Grünen Jugend NRW. Nachfragen per E-Mail.

 

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